Shopify bietet vier native AI-Features: Sidekick (AI-Assistent für Support und Analytics), Magic (Texterstellung und Bildbearbeitung), Section-Prompting (Frontend per Prompt erstellen) und KI-basierte Produktempfehlungen (über Search & Discovery). Unserer Einschätzung nach ist Sidekick ist das stärkste Feature und als AI-Assistent (Support, Analytics) schon heute produktiv gut nutzbar. Magic und Prompting bleiben eher Einstiegs-Tools. Externe Workflows (Make, n8n) und spezialisierte Apps sind für professionelle Nutzung oft die bessere Wahl.
AI ist im E-Commerce angekommen – auch bei Shopify. Seit 2023 hat die Plattform schrittweise AI-Features ausgerollt. Dieser Artikel gibt einen Überblick über die nativen KI-Features von Shopify – basierend auf unseren Erfahrungen aus dem Agenturalltag und dem Austausch mit der deutschsprachigen Shopify-Community.
Shopify-Experte Adrian analysiert, welche Features heute nutzbar sind, wo Limitierungen liegen und welche Entwicklungen in naher Zukunft zu erwarten sind.
tante-e-Gründer Adrian hat bereits den bekanntesten E-Commerce-Brands bei Fragestellungen rund um Shopify geholfen. Er moderiert die Events und dort steht im engen Austausch mit der Community. Dieser Artikel basiert auf der Episode des tante-e-Podcasts zum Thema AI Features von Shopify (Jetzt reinhören: YouTube / Spotify / Apple Podcasts).
1. Shopify Sidekick: Der AI-Assistent im Admin
Sidekick ist laut Adrians Einschätzung das aktuell stärkste native AI-Feature von Shopify. Der AI-Assistent ist direkt im Shopify Admin als Chat-Interface verfügbar und fungiert als interaktiver Zugang zur Shopify-Dokumentation und zu Shop-Daten.
Wo findet man Sidekick: Als prominent platziertes Chat-Fenster im Shopify Admin – verfügbar für alle Shopify-Pläne.

Dabei eignet sich Shopify Sidekick besonders für zwei Einsatzbereiche:
1. Einsatzbereich: Support-Anfragen und Orientierung
Sidekick beantwortet Fragen zu Shopify-Funktionen, Einstellungen und Features. Die Qualität ist oft besser als beim klassischen Shopify-Support:
- Greift auf aktuelle Dokumentation zu (z. B. neuer Checkout statt veraltetem Liquid)
- Liefert präzise Antworten auf technische Fragen
- Schneller verfügbar als Support-Tickets
Praxisbeispiel tante-e:
Bei einer Anfrage zur Checkout-Konfiguration verwies der Shopify-Support auf den veralteten Liquid-Checkout. Sidekick erkannte sofort, dass im neuen Checkout nur Checkout Extensions funktionieren – und lieferte die korrekte Information.
2. Einsatzbereich: Analytics und Reportings
Sidekick liest Shop-Daten aus und gibt Benchmarks:
- Beantwortet Fragen zu Umsätzen, Warenkorbwert, Performance
- Vergleicht Shop-Metriken mit ähnlichen Shops
- Gibt erste Einordnungen ("überdurchschnittlich", "Optimierungspotenzial")
Adrians Bewertung:
Sidekick ist heute schon produktiv nutzbar und spart Zeit bei Recherche und Datenanalyse. Damit ist es das bisher ausgereifteste AI Feature, welches Shopify out-of-the-box liefert.
2. Shopify Magic: Texterstellung und Bildbearbeitung
Shopify Magic umfasst zwei Funktionen: automatisierte Texterstellung für Produktbeschreibungen und Bildbearbeitung (Freisteller, Hintergrund-Anpassung). Beide sind direkt im Shopify-Editor integriert.
Was Shopify Magic kann:
Textgenerierung:
- Erstellt Produktbeschreibungen, Meta-Titel und SEO-Texte
- Nutzt vorhandene Produktdaten als Basis
- Tonalität ist eingeschränkt anpassbar
Bildbearbeitung:
- Produkte freistellen (Hintergrund entfernen)
- Hintergründe ersetzen oder anpassen
- Einfache Bearbeitungen ohne externe Software
Wo die Grenzen liegen:
Shopify Magic funktioniert unserer Einschätzung nach für MVP-Ansätze und kleine Sortimente, stößt aber bei professioneller Nutzung schnell an Limitierungen:
- Keine individuellen Prompts oder Guidelines
- Keine Batch-Bearbeitung für größere Produktmengen
- Keine API-Integration für externe Systeme (ERP, PIM)
- Tonalität und Marken-Konsistenz schwer steuerbar
- Keine mehrstufigen Review-Prozesse
Warum externe Workflows besser sind:
Für skalierbare Content-Erstellung nutzen professionelle Brands externe Workflows mit Make, n8n oder spezialisierten SEO-Tools. Diese ermöglichen:
- Strukturierte Iterationsstufen (Entwurf → Review → Feinschliff)
- Individuelle Kontextvorgaben und Brand Guidelines
- Batch-Verarbeitung großer Produktmengen
- Integration mit bestehenden Systemen
- Qualitätssicherung durch Review-Schleifen
Adrians Bewertung:
Shopify Magic ist hilfreich für Einsteiger und schnelle Tests, aber keine Lösung für professionelle Content-Produktion. Wer mehr als ein Dutzend Produkte hat oder spezifische Qualitätsansprüche stellt, fährt mit externen Tools besser.
3. Section-Prompting und Horizon Theme

Mit dem Horizon Theme und der Möglichkeit, Sections per Prompt zu erstellen, hat Shopify einen ersten Schritt in Richtung "Vibe Coding" gewagt. Die Vision: Storefronts nicht mehr manuell bauen, sondern per Texteingabe generieren lassen.
Was heute möglich ist:
- Sections per Prompt erstellen (z. B. "Hero-Section mit Produktbild links, Text rechts, Call-to-Action-Button")
- Generierte Sections sind im Theme Editor bearbeitbar
- Einstellungen und Konfigurationen werden automatisch miterstellt
- Nachträgliche Anpassungen per Prompt möglich
Wo die Code-Qualität Probleme macht:
Das Feature ist beeindruckend als erster Wurf, aber der generierte Code hat strukturelle Schwächen:
- Kein Rückgriff auf Theme-Styling: Sections greifen nicht auf bestehende Design-Vorgaben zurück
- Keine Theme-Konsistenz: Code integriert sich nicht sauber in die bestehende Struktur
- Flickenteppich-Gefahr: Mehrfache Nutzung führt zu inkonsistentem Code
- Wartbarkeit fragwürdig: Langfristige Pflege wird schwierig
Wann macht es heute Sinn:
- Für schnelle Prototypen und MVP-Tests
- Als Briefing-Grundlage für Developer
- Wenn ohnehin externe Freelancer beauftragt würden (ähnliche Code-Qualität)
Wann nicht:
- Bei professionellem Shop-Setup mit langfristiger Wartung
- Wenn Theme-Konsistenz und Code-Qualität wichtig sind
- Bei komplexen Funktionalitäten oder individuellen Anforderungen
Ausblick:
Das Feature zeigt die Richtung, ist aber noch nicht produktionsreif. Sobald Code-Qualität und Theme-Integration besser werden, wird Frontend-Gestaltung zunehmend per Prompt möglich sein. Agenturen wie tante-e werden sich dann stärker auf komplexe Funktionalitäten, strategische Beratung und Marken-Entwicklung fokussieren.
Adrians Bewertung:
Spannender Ausblick in die Zukunft, heute aber noch MVP-Tool ohne professionellen Anspruch.
4. AI-basierte Produktempfehlungen
Shopify nutzt AI seit längerem für Produktempfehlungen – eine Funktionalität, die oft übersehen wird, aber im Hintergrund bereits arbeitet.
Wie Shopify Produktempfehlungen analysiert:
Shopify wertet Kaufverhalten, Produktzusammenhänge und Nutzerinteraktionen über Millionen Shops hinweg aus. Diese Daten fließen in Empfehlungslogiken ein, die über die native Search & Discovery App ausgespielt werden können.
Typische Einsatzbereiche:
- "Ähnliche Produkte"-Sections auf Produktseiten
- "Kunden kauften auch"-Empfehlungen
- Dynamische Produktvorschläge auf Kategorieseiten
Vorteile:
- Out-of-the-box verfügbar
- Keine Konfiguration nötig
- Solide Basis-Funktionalität für standardisierte Sortimente
Limitierungen:
- Eingeschränkte Anpassungsmöglichkeiten für individuelle Logiken
- Keine Rule-Based-Filter (z. B. "bevorzuge margenstarke Produkte")
- Keine erweiterte Personalisierung oder Multi-Channel-Integration
Wann reicht die native Lösung:
Bei tante-e setzen wir die Shopify-Empfehlungen bei mehreren Kunden ein – vor allem bei Shops mit standardisierten Sortimenten ohne komplexe Anforderungen. Die native Lösung funktioniert zuverlässig und liefert relevante Ergebnisse.
Wann sind externe Tools nötig:
Sobald manuelle Pflege wichtiger Produktempfehlungen (via Metafelder), komplexe Regellogiken oder fortgeschrittene Personalisierung gewünscht sind, greifen Brands zu spezialisierten Apps wie Nosto, LimeSpot oder Rebuy.
Adrians Bewertung:
Für die meisten Shops ausreichend und eine solide Basis-Funktionalität. Externe Tools bringen Mehrwert bei spezifischen Anforderungen, sind aber nicht zwingend nötig.
5. Ausblick: Wie entwickeln sich Shopifys AI-Features weiter?
Shopify sitzt auf einem strukturellen Vorteil: Eine standardisierte Plattform, Millionen aktive Shops weltweit und damit Zugriff auf eine beispiellose Datenbasis. Diese Kombination verschafft Shopify einen klaren Wettbewerbsvorteil bei der Weiterentwicklung von AI-Features.
Vier Entwicklungen, die Adrian im Bezug auf Shopify & AI erwartet:
1. Proaktive Empfehlungen und Consulting
Shopify wird nicht mehr nur auf Anfrage reagieren, sondern proaktiv Optimierungspotenziale aufzeigen:
- Automatisierte Performance-Alerts bei auffälligen Entwicklungen
- Benchmarking-Hinweise ("Deine Conversion Rate liegt 15 % unter vergleichbaren Shops")
- Konkrete Optimierungsvorschläge basierend auf Millionen Shop-Daten
2. Sidekick wird zum Execution-Tool
Aktuell gibt Sidekick Antworten. Der nächste Schritt: Sidekick führt Aufgaben direkt aus:
- "Sidekick, erstelle einen Rabattcode für Bestandskunden mit 10 % Nachlass"
- "Sidekick, ändere den Button-Farbton auf der Produktseite"
- "Sidekick, exportiere alle Bestellungen der letzten 30 Tage mit Warenkorbwert über 100 €"
Das macht Shopify noch zugänglicher für nicht-technische Nutzer und spart Zeit bei manuellen Admin-Tasks.
3. Verbesserung der Code-Qualität beim Prompting
Die Code-Qualität von AI-generiertem Frontend wird steigen:
- Sections greifen auf Theme-Styling zurück
- Theme-Konsistenz wird automatisch eingehalten
- Wartbarer, sauberer Code wird Standard
Für Agenturen wie tante-e bedeutet das: Der Fokus verschiebt sich von einfachen Frontend-Tasks hin zu komplexen Funktionalitäten und strategischer Beratung.
4. Shopifys struktureller Datenvorteil
Shopify hat einen Vorteil, den kaum eine andere E-Commerce-Plattform bietet: standardisierte Daten aus Millionen Shops in Echtzeit. Das ermöglicht:
- Präzisere AI-Modelle durch größere Trainingsdaten
- Schnellere Integration neuer AI-Tools (z. B. ChatGPT)
- Bessere Benchmarks und Empfehlungen
Merchants profitieren automatisch von dieser Datenbasis – ohne zusätzlichen Aufwand.
6. Fazit: Native AI-Features bei Shopify – Was lohnt sich heute?
Was heute funktioniert:
- Shopify Sidekick ist das einzige Feature, das laut Adrians Analyse bereits professionell nutzbar ist. Es spart Zeit bei Support-Anfragen und Datenanalysen und ist oft präziser als der klassische Shopify-Support.
- AI-basierte Produktempfehlungen liefern eine solide Basis-Funktionalität für die meisten Shops. Externe Tools sind nur bei spezifischen Anforderungen nötig.
Was noch MVP ist:
- Shopify Magic (Texterstellung, Bildbearbeitung) eignet sich für Einsteiger und schnelle Tests, aber nicht für professionelle Content-Produktion. Externe Workflows mit Make oder n8n sind hier die bessere Wahl.
- Section-Prompting zeigt die Zukunft, ist aber noch nicht produktionsreif. Code-Qualität und Theme-Konsistenz lassen zu wünschen übrig.
Für Merchants bedeutet das:
Wer auf Shopify setzt, profitiert automatisch von neuen AI-Features – ohne Migrations- oder Integrationsaufwand. Die Plattform entwickelt sich kontinuierlich weiter, und die Datenbasis aus Millionen Shops macht AI-Features präziser als bei Konkurrenz-Plattformen.
AI bei Shopify ist kein Hype mehr, sondern bereits heute nutzbar – mit klarem Wachstumspotenzial.