Noch nie war es so einfach international zu verkaufen wie in unserer heutigen Zeit. Aufgrund der Globalisierung und der fortschreitenden Digitalisierung rückt die Welt immer näher zusammen, besonders in der EU mit ihren offenen Grenzen sind Menschen, Ideen und dem Handel buchstäblich keine Grenzen gesetzt. Und dadurch, dass auch viele Menschen mittlerweile mehrsprachig ist, kann man mehr Menschen mit seinen Ideen und Produkten ansprechen und erreichen.

Wie kannst Du international erfolgreich verkaufen?

Dies hängt natürlich von verschiedenen Aspekten ab, die jeweils auch verschiedene Ansätze und Vorgehensweisen erfordern. Händler*innen beispielsweise, die interkontinental und über Sprachregionen hinweg verkaufen, müssen andere Aspekte berücksichtigen als Händler*innen, die zwar international, aber in einer Sprachregion verkaufen.Insofern ist es wichtig, zunächst eine Strategie zu entwickeln, die die eigenen Bedürfnisse und Ziele berücksichtigt. 

Welche Ansätze gibt es zur Internationalisierung?

Es gibt verschiedene Ansätze; via App, Multi-Shop-Lösung und Headless. Jeder dieser Ansätze hat jedoch Vor- und Nachteile, die wir Dir nun aufzeigen wollen:

1. Via Übersetzungsapp

Mithilfe von Übersetzungsapps kannst Du die Seiten Deines Shops übersetzen. Du hast dabei einen Onlineshop, in den Du eine oder mehrere Sprachen implementierst. 

Vorteile: Die größten Vorteile einer Übersetzungsapp liegen in den geringen Kosten und dem geringen Aufwand. Dadurch, dass Du einen Onlineshop betreibst, zahlst Du neben der Gebühr für die App zum einen nur für diesen Onlineshop und kannst zum anderen alles zentral von einem Backend aus managen, was ein einheitliches Shopmanagement ermöglicht: Die verschiedenen Währungen kannst Du über Shopify Payments anbieten, internationalen Versand über die Einstellungen im Admin-bereich festlegen und eventuelle Zollinformationen für jedes Produkt auf der Produktseite selbst hinterlegen; und die Produktpflege bzw. die gesamte Contentpflege wiederum erfolgen auch zentral. Auch die Buchhaltung erfolgt zentral, besonders die Rechnungsapp Sufio ist für internationale Händler*innen gut geeignet, weil sie die länderspezifischen Besonderheiten bei der Rechnungserstellung am besten berücksichtigt, die aber den Nachteil hat, recht teuer zu sein (49$/Monat). Die Lagerverwaltung und das Fulfilment sind auch unkompliziert, solange alles an einem Standort konzentriert ist.

Nachteile: Einiges, was auf den ersten Blick wie ein Vorteil aussieht, kann unter Umständen auch ein Nachteil sein. Da Du einen Onlineshop betreibst, hast Du auch einen Checkout, der dann für alle Länder, in denen Du verkaufst, gilt. Dadurch kannst Du jene Zahlungsmethoden, die in einem bestimmten Land besonders populär sind, nicht individuell anzeigen lassen. Die zentrale Buchhaltung kann im Falle eines größeren Geschäftsvolumens zum Nachteil werden, da sie unübersichtlich werden könnte; und ab einem bestimmten Geschäftsvolumen bzw. Umsatz muss das Unternehmen inkl. ausländischer Steuernummer im ausländischen Markt offiziell angemeldet werden. Und auch die zentrale Produkt- bzw. Contentpflege kann ein Nachteil sein, wenn Du bestimmte Produkte je nach Land besonders highlighten willst; dies wäre nämlich nicht möglich. Auch kannst Du die Customer Experience nicht je nach Land anpassen.

Vorteile

Nachteile

geringe Kosten (da nur ein Shop)

Ein Checkout für alle Länder; dadurch können länderspezifische beliebte Zahlungsmethoden nicht berücksichtigt werden

geringer Aufwand

Keine länderspezifische Produkt- und Contentpflege und Kundenansprache

zentrales Shopmanagement (Produkt- und Contenpflege, Buchhaltung, Zahlungsmethoden etc.)

Zentrale Buchhaltung für alle Länder könnte ab einem bestimmten Geschäftsvolumen kompliziert und unübersichtlich werden.


Welche Übersetzungsapps gibt es, welche ist empfehlenswert?

Zwei populäre Apps sind Langify und Weglot, allerdings verfolgen die beiden Apps jeweils verschiedene Ansätze: 

Bei Langify nimmst Du die Übersetzung selbst vor, was natürlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Dafür erfolgt die Übersetzung string-for-string und ist daher präziser, was besonders für Transaktionsnachrichten ein Vorteil ist. Und die genauere Übersetzung ist auch SEO-freundlicher. Darüber hinaus bietet Langify die Möglichkeit, Bilder und Medienlogos anzupassen. Daher würden wir Langify empfehlen, falls Du eine Übersetzungsapp für Deinen Onlineshop benutzen willst. Einen ausführlichen Artikel über die Vor- und Nachteile von Langify findest Du hier.

Zoe Lu, ein Onlineshop für wandelbare Taschen, nutzt Langify. Die deutschsprachige Seite sieht folgendermaßen aus:

Und so sieht die übersetzte Seite in Englisch aus:

Weglot übersetzt automatisch ähnlich wie Google Translate, anschließend kann man die automatische Übersetzung selbst überschreiben. Weglot ist somit zwar schneller, aber auch unpräziser, weil die automatische Übersetzung nicht immer optimal oder gar korrekt sein kann; besonders wenn es um Texte bzw. Content geht, für die eine Eins-zu-Eins-Übersetzung aufgrund ihrer komplexen oder abstrakten Sprachstruktur nicht geeignet wäre. Zwar kannst Du die Übersetzung im Nachhinein überschreiben, allerdings würdest Du die Überschreibung auf der Grundlage einer suboptimalen oder gar inkorrekten automatischen Übersetzung tun. Und gerade in einem Onlineshop ist eine ungenaue oder fehlerhafte Übersetzung ein absolutes No-go, da dies sehr vertrauensschädigend für Besucher*innen wirkt. Außerdem ist dies auch schlecht für die SEO, weil qualitativ schlechter Content von Google abgestraft wird.

3bears, ein Onlineshop für Porridge, nutzt Weglot; allerdings als Übergangslösung, denn 3bears arbeitet an einer Multi-Shop-Lösung (mehr dazu unter Punkt 2). So sieht die deutschsprachige Seite aus...

... und so die übersetzte englischsprachige Seite:

Fazit: International mithilfe einer Übersetzungsapp zu verkaufen eignet sich eher für kleinere Onlineshops mit weniger Bedürfnissen und einer kleineren Produktpalette und kleinerem Geschäftsvolumen. Die Kosten und der Aufwand sind relativ gering, die Verwaltung im Backend erfolgt zentral. Damit geht jedoch einher, dass es hinsichtlich des Checkouts, der Produkt-Highlights oder der Customer Experience praktisch keine Anpassungsmöglichkeiten gibt. Aber natürlich können auch größere Onlineshops auf diese Option setzen, je nach dem, ob die Vorteile überwiegen.

2. Multi-Shop-Lösung

In diesem Falle wird pro Land oder Sprachregion ein Onlineshop erstellt. Diese Option empfehlen wir besonders, weil sie sehr viele Vorteile bietet: Der größte Vorteil ist die 100%'ige Lokalisation, weil Du den Onlineshop den länderspezifischen Besonderheiten entsprechend anpassen kannst; ein länderspezifischer Checkout, der die lokalen beliebten Zahlungsmethoden berücksichtigt (können per Mollie eingebunden werden), eine individuell zugeschnittene Kundenansprache und somit auch bessere Customer Experience und das Highlighten oder die Verfügbarkeit spezifischer Produkte. Ein großer Vorteil ist auch, dass der Lagerbestand aller Shops beispielsweise per Billbee synchronisiert wird. Die Rechnungserstellung und Buchhaltung erfolgen für jedes Land, sodass sie übersichtlicher sind.

Die Option hat aber natürlich auch Nachteile: Da Du für jedes Land bzw. für jede Sprachregion einen eigenen Onlineshop aufsetzt, zahlst Du auch die entsprechenden Gebühren für jeden Onlineshop und die Apps. Auch ist der Aufwand größer, weil die Anpassungen für jeden Onlineshop individuell und separat vorgenommen werden und das Shopmanagement auch nicht mehr zentral erfolgt. 


Vorteile

Nachteile

100%’ige Lokalisierung (länderspezifische Anpassung des Shops/Checkouts)

Höherer Aufwand für die länderspezifische Anpassung

Gezielte Kundenansprache nach Land

Höhere Kosten, da mehrere Shops mit dazugehörigen Apps

Rechnungserstellung/Buchhaltung separat für jedes Land

Kein zentrales Shopmanagement


Allbirds, ein Onlineshop für nachhaltige Sportschuhe, nutzt diesen Ansatz. Besonders anhand des Checkouts wird die 100%’ige Lokalisation besonders deutlich, was beispielsweise die Zahlungsmethoden oder den Versand angeht. So sieht der Onlineshop für den EU-Markt aus:

Und das ist der Onlineshop für den US-Markt:


Fazit: Die Multi-Shop-Lösung ist zwar mit höheren Kosten und höherem Aufwand verbunden, da die Anpassungen für jeden Onlineshop eines Landes bzw. einer Sprachregion einzeln vorgenommen werden müssen, aber dies ist gleichzeitig auch der Vorteil: Ohne Abstriche machen zu müssen, können die länderspezifischen Besonderheiten 100%'ig berücksichtigt werden, sodass Du eine saubere Lösung für den internationalen Markteintritt hast. 

3. Headless

Bei diesem Ansatz handelt es sich um eine neuere IT-Architektur, bei der das Frontend und das Backend voneinander getrennt werden. Die Storefront wir sozusagen "abgeschnitten". Ein PIM (Produktinformationsmanagement-System) leitet die Infos in die Storefront je nach Sprachauswahl, von dort aus gelangt man in den Checkout in der jeweiligen Sprache.

Die Vorteile liegen darin, dass das Management von Produktdaten und Content aus einem zentralen System erfolgt und bei der URL-Struktur volle Flexibilität herrscht. Außerdem sind die Ladezeiten schneller.

Die Nachteile sind jedoch, dass die Implementierung komplexer und daher langwierig und mit hohen Kosten verbunden ist. Dadurch, dass die Implementierung komplexer ist, könnte sich eine Abhängigkeit von der jeweiligen Agentur oder den Entwickler*innen ergeben. Darüber hinaus können Apps nicht mehr genutzt werden. 

Vorteile

Nachteile

Zentrales Management von Produktdaten und Content

Implementierung teuer, komplex und zeitintensiv

Volle Flexibilität bei der URL-Struktur

Abhängigkeit von Agentur/Entwickler*in aufgrund der Implementierung

Schnelle Ladezeiten

Keine Nutzung von Apps


HoriznStudios, ein Onlineshop für Reisegepäck, nutzt diesen Ansatz:


Fazit: Die hohen Kosten für die zeitintensive Implementierung und die daraus eventuell resultierende Abhängigkeit von Agenturen/Entwickler*innen sind Aspekte, die für viele Shops (insbesondere für kleinere) sicherlich nicht geeignet wären. Größere Unternehmen jedoch setzen zunehmend auf diesen Ansatz. 

International verkaufen - ist das etwas für mich?

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