Community Building im E-Commerce funktioniert, wenn eine bestehende Community gezielt im Shop aktiviert wird. LFDY und Peso setzen dafür drei Hebel ein: ein levelbasiertes Loyalty Programm, eine eigene Shopping App mit exklusiven Aktionen und Community Fits, die Outfits echter Kundinnen und Kunden in den Shop bringen. Voraussetzung ist immer eine bereits vorhandene Community. Die Tools verstärken sie, erschaffen sie aber nicht.
Viele Brands sprechen über Community, deutlich weniger setzen sie konkret im Onlineshop um. Wir betreuen die Shops von LFDY und Peso seit Jahren im Account Management und in der technischen Weiterentwicklung. In diesem Artikel zeigen wir, wie die drei Community-Hebel der beiden Brands aufgebaut sind, wie sie technisch auf Shopify funktionieren und welche Learnings sich daraus ableiten lassen.
Nina ist Accountmanagerin bei tante-e und verfügt über tiefgehende Erfahrung in der kontinuierlichen Zusammenarbeit mit verschiedenen E-Commerce-Brands. Ihr Wissen teilt sie regelmäßig im tante-e-Podcast, u.a. zu community-bildenden Faktoren bei Peso & LFDY (zur Folge auf YouTube / Spotify / Apple Podcasts).
- Einleitung
- Was bedeutet Community Building im Onlineshop und wann lohnt es sich?
- Loyalty Programm: Wie Peso seine Community belohnt und aktiviert
- Mobile Shopping App: Ein eigener Raum für die aktivste Community
- Community Fits: User Content als Inspiration und Cross-Sell
- Fazit: Für welche Marken sich Community Building lohnt
1. Was bedeutet Community Building im Onlineshop und wann lohnt es sich?

Community Building im Onlineshop bedeutet, eine bestehende Community gezielt in den Shop einzubinden und zu aktivieren, statt sie nur auf Social Media zu bespielen. Der entscheidende Punkt: Die Community muss bereits vorhanden sein. Ein Loyalty Programm oder eine App erzeugt keine Community aus dem Nichts, sondern verstärkt eine, die schon existiert. Wer noch keine aktive Community hat, löst das Problem nicht mit einem zusätzlichen Tool.
Bei LFDY und Peso ist diese Grundlage durch die Founder- und Creator-geführte Historie gegeben. Beide Streetwear Brands leben von Drops und richten sich an eine Zielgruppe zwischen 18 und 35 Jahren. Der Shop selbst bleibt dabei bewusst reduziert:
- Clean und klar strukturiert: Fokus auf Navigation, schnelle Wege zur Collection und zur Produktseite.
- Starke Bildsprache: Große Bilder transportieren den Vibe der Marke, statt ihn zu erklären.
- Wenig erklärungsbedürftig: Die Community weiß beim Drop, was sie kaufen will, der Shop gibt dafür den Raum.
Genau dieser zurückgenommene Aufbau schafft Platz für die Community-Elemente, die wir in den nächsten Abschnitten zeigen.
2. Loyalty Programm: Wie Peso seine Community belohnt und aktiviert

Das Loyalty Programm von Peso ist ein levelbasiertes System, das loyale Kundinnen und Kunden belohnt, die Zugehörigkeit zur Community stärkt und das Engagement über den reinen Kauf hinaus erhöht. Es geht nicht nur darum, etwas zu verkaufen, sondern darum, ein Gemeinschaftsgefühl zu schaffen und gleichzeitig einen messbaren Anreiz zur Wiederkehr zu setzen.
Warum ein Loyalty Programm?
Das Programm verfolgt drei Ziele gleichzeitig:
- Belohnung: Wer aktiv ist und viel kauft, gehört zu den loyalsten Kundinnen und Kunden und erhält mehr Vorteile.
- Zugehörigkeit: Exklusive Benefits erzeugen Stolz und Hype. Ein Beispiel sind Special-Ketten für das höchste Level, über die die Community von sich aus postet.
- Engagement: Newsletter, WhatsApp-Gruppe, Rabattcodes und Early Access holen Kundinnen und Kunden immer wieder zurück in den Shop.
Aufbau mit Leveln und Punkten
Das Programm arbeitet mit fünf Leveln, an die die Benefits geknüpft sind. Punkte entscheiden über den Aufstieg und werden nicht nur durch Käufe gesammelt.
- Level: Bronze, Silber, Gold, Platinum und Black.
- Punkte durch Käufe: 10 Punkte pro einem Euro Ausgabe, der größte Hebel.
- Punkte durch Engagement: Newsletter-Anmeldung, WhatsApp-Gruppe, Geburtsdatum angeben, Freunde werben.
Benefits je Level
| Level | Beispiel-Benefits |
|---|---|
| Niedrigere Level (ab Bronze) | Free Shipping, Early Access, Birthday Gift |
| Höhere Level (Platinum, Black) | Permanente Free-Shipping- oder Order-Discounts, exklusive Produkte |
| Höchstes Level (Black) | Jährlich wechselnde, exklusive Peso Chain als Statussymbol |
Benefits wie Early Access kosten die Marke nichts, wirken aber stark, weil die besten Produkte bei Drops schnell ausverkauft sind. Die höheren Level setzen zusätzlich einen klaren monetären Anreiz.
Umsetzung im Shop: Landingpage und Account-Page
Das Programm ist im Shop über zwei Seiten sichtbar. Die Landingpage erklärt transparent, wie man teilnimmt, wie man Punkte sammelt und welche Benefits pro Level warten, ergänzt um FAQs. Die eigentliche Account-Page ist zugleich die Loyalty-Page: Wer sich einloggt, ist automatisch im niedrigsten Level und damit direkt Teil des Programms.
Auf der Account-Page stehen die zentralen Elemente im Fokus:
- Punktestand: oben im Kreditkartenstil dargestellt, passend zur Community gestylt.
- Benefits: darunter sichtbar, inklusive einlösbarer Vorteile wie Free Shipping.
- Nächste Schritte: Anreize, um mehr Punkte zu sammeln (WhatsApp, Newsletter, Geburtsdatum).
Die normalen Account-Funktionen wie die Bestellhistorie bleiben darunter erhalten, das Loyalty Programm steht aber klar im Vordergrund.
Technische Umsetzung im Hintergrund
Basis ist das Tool LoyaltyLion, das jedoch stark customized eingesetzt wird. Von LoyaltyLion kommen nur Punkte und Level, die per Metafeld an Shopify übergeben werden. Der Rest ist eine Custom-Lösung, weil die Benefits konsequent an Level statt an frei ausgebbare Punkte gebunden sein sollten.
- JSON-Metafeld als Herzstück: Speichert für jede Kundin und jeden Kunden alle Benefits samt Status (aktiv, eingelöst, permanent, Level).
- Function im Checkout: Prüft die aktiven Benefits und löst den passenden Rabatt aus, etwa Free Shipping oder Order Discount.
- Shopify Flows: Schreiben eingelöste Discounts zurück und aktualisieren bei Level-Upgrades oder Level-Downgrades die Benefits im Metafeld.
- Code der Account-Page: Spielt alle Informationen aus und erlaubt es, Benefits wie Free Shipping selbst zu aktivieren oder aufzuheben.
Learnings aus dem Loyalty Programm
Aus dem Aufbau lassen sich mehrere Learnings ableiten, die für die Umsetzung eines jeden Loyalty Programms relevant sind, technisch wie strategisch.
- Use Cases vor der Tool-Wahl durchdenken: Erst wenn klar ist, wohin es gehen soll, lässt sich das passende Tool auswählen. Jeder Benefit wirft Fragen auf: Was passiert bei Aktivierung, bei Einlösung, beim Ablauf, bei Level-Upgrade oder Level-Downgrade, bei Kombination mit anderen Discounts?
- Migration sauber planen: Peso kam von einer E-Mail-basierten Lösung. Bei der Migration muss sichergestellt sein, dass Benefits nicht doppelt vergeben werden und alle Daten sauber übernommen werden.
- Von Anfang an dokumentieren: Aufbau, Use Cases und Folgeaktionen festhalten, damit die Logik nachvollziehbar bleibt.
- Eng mit dem Customer Support austauschen: Testing deckt nur einen Teil der Fälle ab. Der Support meldet, wo Kundinnen und Kunden wirklich hängen bleiben.
- Community dort abholen, wo sie ist: Die vorherige E-Mail-Lösung scheiterte auch daran, dass die Zielgruppe sich nicht in ihren E-Mails bewegt. Ein Programm direkt im Shop funktioniert automatischer und näher an der Community.
Ein pragmatischer Weg: klein starten, im kleineren Rahmen testen, Learnings sammeln und dann ausbauen. Wer von Anfang an genau weiß, wohin es gehen soll, ist im Vorteil, aber ein MVP ist ein legitimer Einstieg.
3. Mobile Shopping App: Ein eigener Raum für die aktivste Community

Die Shopping App von LFDY übernimmt eine ähnliche Rolle wie das Loyalty Programm bei Peso: Sie ist der Ort, an dem sich die aktivsten Fans bewegen. Statt sich einkaufen zu müssen, reicht der Download der App, um Zugang zu Vorteilen zu bekommen, die es im Shop so nicht gibt. Die App wird damit selbst zum Community-Hebel.
Warum überhaupt eine App?
Eine App lohnt sich, weil sie einen exklusiven Raum und einen direkteren Kommunikationskanal schafft.
- Push-Benachrichtigungen: aktivieren die Community direkt auf dem Handy, ohne den Umweg über E-Mails, die die Zielgruppe kaum noch nutzt.
- Exklusiver Raum: Hier sind nur die committeten Fans, was gezielte Anreize wie exklusive Sales, Events und Gewinnspiele ermöglicht.
- Selbstselektion: Wer die App lädt, ist ohnehin nah an der Marke. Gelegenheitskäufer erreicht man darüber nicht.
Wiederkehrende Aktionen als Aktivierungshebel
LFDY nutzt einen festen wöchentlichen Anlass, um die Community immer wieder in die App zu holen. Diese Aktion läuft dienstags für 24 Stunden und variiert im Inhalt.
- Limitierte App-Drops: einzelne Produkte oder Farben, nur in der App verfügbar.
- Early Access: frühere Verfügbarkeit bei Drops und Restocks, teils ohne Versandkosten.
- Sale-Aktionen und Gewinnspiele: exklusive Rabatte, Giftcards oder noch nicht veröffentlichte Produkte.
Der Effekt: Selbst wenn eine Aktion nicht relevant ist, sind die Nutzerinnen und Nutzer bereits in der App und schauen sich um. Der ehemals umsatzschwächste Wochentag wurde so zu einem der umsatzstärksten.
Aufbau und technische Umsetzung
Die App ähnelt inhaltlich dem Shop, ist aber konsequent mobil gedacht. Homepage, Collection Page und Produktseite existieren wie im Shop, die Startseite unterscheidet sich jedoch deutlich.
- Homepage: ein großer, bildschirmfüllender Slider mit verschiedenen Slides, etwa Collections, Landingpages oder der wöchentlichen Aktion. Nach oben swipen führt zur dahinterliegenden Seite.
- Navigation: detaillierter als im Shop, mit eigener unterer Leiste und Fokus auf App-exklusive Aktionen.
- Account: stärker hervorgehoben, mit Einstellungen, Wunschliste, gespeicherten Artikeln und Bestellungen.
Technisch läuft die App über Stikky. Das Tool fungiert wie ein zusätzlicher Sales Channel neben Online Store oder Instagram.
- Basis-Einstellungen im Sales Channel: welche Slides auf der Homepage erscheinen und welche Produkte überhaupt in der App sichtbar sind.
- Custom-Funktionen über Stikky Liquid Bridges: Alles jenseits der Standardfunktionen wird als Brücke zwischen App und Shop gebaut, etwa Sections, Blöcke oder kompletter Custom Code, um die App-Storefront zu gestalten.
Learnings aus der Shopping App
Eine App ist ein eigenes Projekt und funktioniert anders als ein Onlineshop. Aus der Umsetzung ergeben sich sowohl technische als auch strategische Learnings.
- Eigene Release-Logik einplanen: Was im Shop schnell gebaut ist, braucht in der App unter Umständen ein Software-Update. Gleiche Release-Termine für Shop und App lassen sich nicht immer halten.
- Checkout-Abhängigkeit beachten: Stikky nutzt den Shopify Checkout. Als LFDY den Shop für Early-Access-Aktionen schloss, war damit auch die App geschlossen. Das erforderte einen Workaround, um den App-Zugang offen zu halten.
- Integrationen prüfen: Nicht jede App-Integration funktioniert nativ. Standards wie Klaviyo oder Reviews-Tools laufen, anderes muss geprüft werden.
- Content-Strategie klar trennen: Es braucht einen echten Vorteil, damit Nutzerinnen und Nutzer die App überhaupt laden. Gleichzeitig darf nicht aller attraktive Content nur in der App landen, weil der Shop weiterhin die Mehrheit erreicht.
Wenn die Community vorhanden ist, rechtfertigt der Hebel den Aufwand. Entscheidend ist, App und Shop als getrennte Kanäle mit jeweils eigener Content-Strategie zu denken.
4. Community Fits: User Content als Inspiration und Cross-Sell

Community Fits ist eine Landingpage, die Outfits echter Kundinnen, Kunden und Creator in den Shop bringt. Die Idee entstand aus der Beobachtung, dass die Community die Produkte ohnehin trägt und auf Social Media teilt. Community Fits nutzt genau diesen User Content direkt im Shop, statt ihn nur auf Instagram oder TikTok laufen zu lassen.
Idee und Aufbau
Die Seite ist im Pinterest-Stil aufgebaut, mit vielen Bild-Grids der Community in verschiedenen Outfits. Ein Klick auf eine Community Card öffnet ein Pop-up mit weiteren Informationen.
- Person und Handle: wer das Outfit trägt, inklusive Social-Handle.
- Größeres Bild und Model-Infos: etwa die Körpergröße, als Orientierung für die eigene Größenwahl.
- Verlinkte Produkte: alle getragenen Teile direkt kaufbar.
Nutzen für Shop und Community
Community Fits verbindet mehrere Effekte in einem Element:
- Inspiration: zeigt, wie Produkte real gestylt werden.
- Größenorientierung: Model-Infos helfen bei der Größenwahl und reduzieren Unsicherheit.
- Cross-Sell: verlinkte Produkte laden dazu ein, komplette Outfits statt einzelner Teile zu kaufen.
- Authentizität: echter Content aus der Community wirkt glaubwürdiger als von der Marke inszenierte Inhalte.
- Anreiz zum Mitmachen: Wer postet, kann selbst in den Shop kommen, was die Community zusätzlich aktiviert.
Learnings aus Community Fits
- Rechte klären: Bevor Community-Bilder in den Shop kommen, muss die Nutzung abgestimmt sein. Bei bezahlten Creatorn ist das ohnehin geregelt.
- Page Speed im Blick behalten: Bilder und Videos nicht zu groß laden, mit Lazy Loading arbeiten.
- Trust bei der Expansion: Beim Markteintritt in Frankreich half die sichtbare Creator-Community aus Deutschland, Vertrauen aufzubauen, wo lokal noch keine Community bestand.
5. Fazit: Für welche Marken sich Community Building lohnt
Community Building im E-Commerce ist mehr als ein Buzzword, wenn eine bestehende Community gezielt im Shop aktiviert wird. LFDY und Peso zeigen mit Loyalty Programm, Shopping App und Community Fits drei Hebel, die alle auf derselben Voraussetzung beruhen: Die Community ist bereits da, die Tools verstärken sie.
Der Ansatz ist nicht auf Fashion beschränkt. Relevant ist er überall dort, wo eine Marke eine klare Zielgruppe hat, sei es bei erklärungsbedürftigen Produkten, starken Marken oder in einer Nische. Die zentralen Fragen sind immer dieselben:
- Welche Community spreche ich an, und wo bewegt sie sich?
- Wie hole ich sie dort ab und binde sie in den Shop ein?
- Wie aktiviere ich sie messbar für den Shop?
Wer diese Fragen beantwortet, kann klein starten und ausbauen. Langfristig ist eine aktivierte Community einer der stärksten Hebel für nachhaltig erfolgreiche Onlineshops.