Shopify B2B ist seit April 2026 auch ohne Shopify Plus nutzbar, um Shops mit Katalogen, Staffelpreisen und Zahlungszielen umzusetzen. Wer komplexere Anforderungen hat, braucht weiterhin Plus. Die nativen Shopify Features bieten eine solide Basis, stoßen aber bei individuellen Mengenlogiken oder automatisierten Zahlungsprozessen an Grenzen. Diese lassen sich jedoch mit gezielter Entwicklung beheben.

Shopify legt seit Jahren immer mehr Fokus auf B2B-Funktionen. Was die Features in der Praxis leisten, zeigt sich erst im konkreten Projekt. Wir haben mit koziol einen B2B Shop für die Marke Superglas aufgebaut, von der Registrierung über Staffelpreise bis zur Zahlungsabwicklung. In diesem Artikel teilen wir, was nativ funktioniert, wo wir Workarounds implementierten und was das aktuelle Shopify-Update vom April 2026 für B2B-Händler bedeutet.

Constanze
Constanze

Die Inhalte dieses Artikels basieren auf dem Wissen von Shopify-Expertin Constanze. Sie unterstützt unsere Kund:innen bei tante-e in der kontinuierlichen Optimierung ihrer Onlineshops. In unserem Podcast teilt sie regelmäßig ihre Erfahrungen aus der Praxis (Zur Folge über B2B und koziol: YouTube / Spotify / Apple Podcasts).

1. Shopify B2B: Definition und Einsatzbereiche

B2B bedeutet im Shop-Kontext: Du verkaufst nicht an Endkunden, sondern an Unternehmen. Deine Käufer sind Händler, Gastronomen, Hotels oder andere Gewerbetreibende, die in größeren Mengen abnehmen und andere Erwartungen an den Kaufprozess mitbringen als Privatkunden.

B2B vs. B2C: die zentralen Unterschiede

Merkmal B2C B2B
Käufer Endkunden Unternehmen, Händler
Mengen Einzelstücke Verpackungseinheiten, Paletten
Preise Einheitlich Kundenspezifisch, Staffelpreise
Zahlung Sofort Zahlungsziel, Rechnung
Zugang Offen Registrierung, Freigabe
Produktinfo Konsumentenorientiert Technisch, mengenbasiert

Wann macht ein B2B Shop auf Shopify Sinn?

Viele Marken bedienen ihre Geschäftskunden lange Zeit über Telefon, E-Mail oder Fax. Das funktioniert bis zu einem gewissen Grad, ist aber aufwendig, fehleranfällig und schwer skalierbar. Ein eigener B2B Shop schafft eine strukturierte, immer verfügbare Anlaufstelle, über die Bestandskunden selbstständig bestellen können.

Gleichzeitig öffnet ein B2B Shop die Türe für Neukunden, die bisher gar keinen Weg hatten, auf das Sortiment zuzugreifen. Ein klar kommunizierter B2B Shop mit Registrierungsmöglichkeit senkt diese Hürde deutlich.

Genau das war der Ausgangspunkt bei koziol: Die Marke hatte bereits einen Stamm an B2B-Kunden, aber keinen modernen, einheitlichen Kanal dafür. Mit dem neuen B2B Shop für die Untermarke Superglas sollten bestehende Kunden effizienter bedient und gleichzeitig neue Geschäftskunden, zum Beispiel aus der Hotellerie oder Gastronomie, gezielt angesprochen werden.

2. Technische Basis: Plan, Store-Struktur und Theme

Seit dem Update vom 2. April 2026 können Händler auf den Shopify-Plänen Basic, Grow und Advanced erstmals native B2B-Features nutzen, darunter bis zu 3 aktive Kataloge, Unternehmensprofile, Zahlungsziele, Staffelpreise und ACH-Zahlungen (nur USA).

Wer komplexere Anforderungen hat, kommt um Shopify Plus nicht herum. Unlimitierte Kataloge, direkte Katalogzuweisung an Unternehmen und Standorte, Teilzahlungen und Anzahlungen bleiben Plus-exklusiv.

Was ist ab welchem Plan verfügbar?

Feature Basic / Grow / Advanced Shopify Plus
Native B2B-Features Ja (seit April 2026) Ja
Aktive Kataloge bis zu 3 Unbegrenzt
Unternehmensprofile Ja Ja
Zahlungsziele Ja Ja
Staffelpreise Ja Ja
ACH-Zahlungen (USA) Ja Ja
Direkte Katalogzuweisung Nein Ja
Teilzahlungen / Anzahlungen Nein Ja

Der Expansion Store: Warum ein eigener Shop sinnvoll ist

Unsere aktuelle Empfehlung für B2B auf Shopify Plus ist, einen separaten Expansion Store aufzusetzen, also einen eigenständigen Shop nur für B2B. Das schafft eine saubere Trennung zwischen B2C und B2B: eigene URL, eigene Navigation, eigene Logik. Preise, Sortiment und Darstellung lassen sich so vollständig auf Geschäftskunden ausrichten, ohne Kompromisse für den Endkundenbereich eingehen zu müssen.

Bei koziol war das der strategische Ausgangspunkt: Verschiedene B2B-Shops liefen auf unterschiedlichen Plattformen und Themes, was intern viel Aufwand bedeutete. Das Ziel war, alle B2B-Shops auf eine gemeinsame Basis zu bringen, konkret das Impact Theme, um Synergien zu nutzen: einheitliche Pflege und eine konsistente Struktur über alle Shops hinweg.

3. Zugangskontrolle: Registrierung, Login und Shop-Kontexte

Koziol B2B Zugangskontrolle

Der erste große Unterschied zu einem B2C Shop: Nicht jeder kommt einfach rein. B2B Shops richten sich an geprüfte Geschäftskunden, und das sollte sich auch im Zugang widerspiegeln. Wie offen oder geschlossen dieser Zugang ist, lässt sich auf Shopify flexibel steuern.

Registrierung über Shopify Forms

Koziol B2B Registrierung

Bei Superglas haben wir eine Landingpage eingerichtet, auf der sich Interessenten über ein Formular registrieren können. Technisch läuft das über die Shopify Forms App. Dort tragen potenzielle Kunden ihre Firmendaten ein, die Anfrage wird abgeschickt und landet im Backend, wo das Team von Superglas sie prüft und manuell freigibt.

Das Formular lässt sich flexibel aufsetzen: Textfelder, Zahlenfelder, Dokumenten-Uploads. Wer einen Gewerbeschein oder eine Umsatzsteuer-ID abfragen möchte, kann das direkt im Formular integrieren. Sobald ein Unternehmen freigegeben ist, erhalten die Mitarbeitenden Zugang zum Shop und können bestellen.

Alternativ lässt sich die Freigabe auch automatisieren, sodass jede Registrierung sofort Zugang erhält. Welche Variante sinnvoll ist, hängt davon ab, wie gezielt man steuern möchte, wer als B2B-Kunde zugelassen wird.

Offener vs. geschlossener Shop

Shopify bietet die Möglichkeit, den Shop vollständig zu sperren, sodass Besucher ohne Login nur eine Anmeldemaske sehen. Das schützt sensible Inhalte wie Preise, Sortiment und Verpackungseinheiten konsequent vor der Öffentlichkeit.

Der Nachteil: Hinter dieser Maske lässt sich kaum etwas gestalten. Das Registrierungsformular wäre ebenfalls nicht zugänglich, weil es hinter dem Login liegt. Für Superglas war das keine passende Lösung. Stattdessen haben wir den Shop offen gelassen und die Sichtbarkeit sensibler Inhalte über die B2B-Kontexte gesteuert.

B2B-Kontext vs. Default-Kontext: zwei Shop-Oberflächen, eine Plattform

Eine der stärksten nativen Funktionen von Shopify B2B ist die Möglichkeit, zwei vollständig eigenständige Shop-Oberflächen zu pflegen, ohne eine Zeile Code anfassen zu müssen. Im Theme-Editor gibt es zwei Kontexte: den Default-Kontext für nicht eingeloggte Besucher und den B2B-Kontext für registrierte Geschäftskunden.

Was in welchem Kontext sichtbar ist, lässt sich frei konfigurieren. Bei Superglas haben wir es so eingerichtet, dass nicht eingeloggte Besucher das Sortiment und die Produktseiten sehen können, aber keine B2B-Preise, keine Staffelpreise und keinen "In den Warenkorb"-Button. Stattdessen erscheint ein Button, der zur Registrierung oder zum Login weiterleitet. Wer eingeloggt, aber noch kein freigegebener B2B-Kunde ist, sieht eine angepasste Version dieses Hinweises mit dem Verweis auf das Registrierungsformular.

Wichtig zu verstehen: Der B2B-Kontext ist nicht gleichzusetzen mit dem Login. Wer sich mit einer privaten E-Mail-Adresse einloggt, bleibt im Default-Kontext. Erst wer als registriertes Unternehmen freigegeben ist, wechselt in den B2B-Kontext und sieht alle freigeschalteten Inhalte.

4. Produktseiten: Mengenlogik, Staffelpreise und Kataloge

Koziol B2B Produktseite

Produktseiten im B2B funktionieren anders als im B2C. Mengen, Preise und Sortiment sind keine fixen Größen, sondern hängen davon ab, wer gerade eingeloggt ist und welche Konditionen für dieses Unternehmen hinterlegt sind. Shopify bringt dafür eine Reihe nativer Features mit, die für viele Fälle ausreichen und sich bei Bedarf erweitern lassen.

Verpackungseinheiten und Mengenlogik

Im B2B wird selten ein einzelnes Produkt gekauft. Bei Superglas werden Gläser kistenweise verkauft. Das bedeutet: Der Mengenselektor auf der Produktseite zählt nicht in Einzelstücken hoch, sondern in Verpackungseinheiten, also 20, 40, 60 Gläser pro Schritt.

Shopify bietet dafür native Mengenregeln im Backend, mit denen sich Mindestmengen und Inkremente pro Produkt festlegen lassen. Das funktioniert gut für den Standardfall. Schwieriger wird es, wenn bestimmte Kunden zusätzlich Einzelstücke kaufen können sollen. Diese Kombination lässt sich nativ nicht abbilden.

Wir haben dafür einen Workaround entwickelt: Die Verpackungseinheit wird über ein Metafeld gesteuert, die native Mengenregel bleibt außen vor. Kunden, für die der Einzelkauf freigegeben ist, erhalten im Backend ein Tag an ihrem Unternehmensprofil. Ist dieses Tag gesetzt, erscheint auf der Produktseite ein entsprechender Hinweis und der Mengenselektor akzeptiert jede beliebige Menge. Für alle anderen bleibt die kistenweise Logik aktiv.

Staffelpreise: was nativ geht und was nicht

Shopify erlaubt bis zu 10 Preisstaffeln pro Produkt. Je mehr ein Kunde kauft, desto günstiger wird der Stückpreis. Das lässt sich direkt im Backend pflegen oder per CSV-Import in größeren Mengen hochladen, was bei vielen Produkten erheblich Zeit spart.

Wir haben bei Superglas auf der Produktseite eine Tabelle integriert, die alle Staffeln übersichtlich darstellt und automatisch ausrechnet, wie viel ein Kunde im Vergleich zur nächstkleineren Staffel spart. So wird die Kaufentscheidung direkt auf der Seite unterstützt, ohne dass der Kunde selbst rechnen muss.

Für koziol haben 5 Staffeln ausgereicht. Wer aber mehr Stufen braucht, stößt hier mit der Obergrenze von 10 an eine harte Grenze.

Individuelle Kataloge für unterschiedliche Kundengruppen

Nicht jeder B2B-Kunde kauft zu denselben Konditionen. Shopify ermöglicht es, verschiedene Kataloge anzulegen und diese einzelnen Unternehmen zuzuweisen. Ein Katalog kann ein anderes Sortiment, andere Preise oder andere Staffelrabatte enthalten als ein zweiter. Es ist auch möglich, auf den gesamten Katalog einen pauschalen Rabatt anzuwenden, zum Beispiel wenn mit einem Kunden individuelle Konditionen vereinbart wurden.

Das bedeutet in der Praxis: Kunde A sieht andere Produkte zu anderen Preisen als Kunde B, obwohl beide im selben Shop eingeloggt sind. Das ist eine Funktionalität, die man sonst eher aus dem internationalen Kontext kennt, wo je nach Markt unterschiedliche Inhalte ausgespielt werden.

Auf Basic, Grow und Advanced sind seit April 2026 bis zu 3 aktive Kataloge möglich. Wer mehr braucht oder Kataloge direkt an Unternehmen und Standorte zuweisen möchte, benötigt Shopify Plus.

5. Zahlungsabwicklung auf Shopify B2B

Zahlungen im B2B funktionieren grundlegend anders als im B2C. Kreditkarte oder PayPal sind selten die bevorzugten Zahlungswege von Geschäftskunden. Der Standard im B2B ist die Rechnung mit Zahlungsziel, also die Möglichkeit, erst nach Erhalt der Ware zu bezahlen.

Zahlungsziel einrichten

Shopify erlaubt es, für einzelne Unternehmen ein Zahlungsziel zu hinterlegen, zum Beispiel 30 Tage. Ist dieses Ziel gesetzt, wird im Checkout automatisch die Option "Später bezahlen" freigeschaltet. Unternehmen ohne Zahlungsziel sehen stattdessen die üblichen Zahlungsarten wie Kreditkarte.

Bei Superglas haben wir "Später bezahlen" in "Kauf auf Rechnung" umbenannt, damit die Option für Geschäftskunden sofort verständlich ist.

Was nativ nicht automatisiert wird

"Kauf auf Rechnung" bleibt in Shopify eine manuelle Zahlungsmethode. Das bedeutet, die Rechnung wird nicht automatisch erstellt und verschickt. Das Team muss selbst dafür sorgen, dass die Rechnung rausgeht, und manuell prüfen, ob die Zahlung innerhalb des Zahlungsziels eingeht.

Das klingt nach einem Nachteil, ist in der Praxis aber oft gar nicht so weit vom Alltag entfernt. Im B2B läuft vieles ohnehin nicht vollautomatisch: Liefertermine werden abgestimmt, Bestellungen werden geprüft, Konditionen werden besprochen. Ein manueller Schritt bei der Rechnung fügt sich da oft nahtlos ein.

Wer diesen Prozess automatisieren möchte, kann externe Tools oder Drittsysteme anschließen. Shopify bietet dafür die nötigen Schnittstellen, aber out of the box passiert das nicht von selbst.

6. Fazit: Das kann Shopify B2B heute

Shopify B2B ist kein fertiges Produkt, das man einfach einschaltet und dann läuft. Es ist eine Plattform mit einer wachsenden Basis an nativen Features, die für viele B2B-Anforderungen ausreicht und sich bei Bedarf mit gezielter Entwicklung erweitern lässt.

Was heute gut funktioniert

Die stärksten nativen Features sind die B2B-Kontexte, die Staffelpreise und die Kataloge. Dass man zwei vollständig eigenständige Shop-Oberflächen ohne Code pflegen kann, ist ein echter Mehrwert. Ebenso, dass man Sortiment und Preise auf Unternehmensebene individualisieren kann.

Seit April 2026 sind diese Grundfunktionen auch ohne Shopify Plus zugänglich. Für Händler, die mit B2B starten wollen, ist die Einstiegshürde damit deutlich gesunken.

Wo man Workarounds einplanen muss

Komplexere Mengenlogiken, automatisierte Rechnungsstellung oder sehr granulare Kundensteuerung gehen über das hinaus, was Shopify nativ mitbringt. Das bedeutet nicht, dass es nicht geht, aber es bedeutet, dass man es selbst bauen muss. Wer das von Anfang an weiß, kann es in Planung und Budget einkalkulieren.

Das wichtigste Learning aus unserer Arbeit mit koziol: Vor dem Aufbau eines B2B Shops lohnt es sich, die eigenen Anforderungen genau zu kennen und sie mit dem abzugleichen, was Shopify nativ hergibt. Je früher man weiß, wo individuelle Entwicklung nötig ist, desto sauberer lässt sich das Projekt aufsetzen.

Wie es weitergeht

Shopify entwickelt B2B kontinuierlich weiter und hört dabei erkennbar auf das, was Händler und Agenturen aus der Praxis zurückmelden. Was heute noch ein Workaround ist, kann in wenigen Monaten nativ verfügbar sein. Wir sehen bei tante-e, dass die B2B-Anfragen stetig steigen und dass wir immer mehr Cases annehmen können, die vor zwei Jahren noch zu komplex gewesen wären.

B2B auf Shopify ist kein Versprechen mehr. Es ist ein funktionierender Kanal, der mit der richtigen Vorbereitung heute schon echten Mehrwert liefert.

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