Ab dem 19. Juni 2026 müssen B2C-Onlineshops eine elektronische Widerrufsfunktion bereitstellen, direkt zugänglich im Footer und ohne Login. Ab dem 27. September 2026 gilt zusätzlich die Pflicht, ein standardisiertes Gewährleistungslabel auf Produktseiten einzubinden. Beide Anforderungen gelten ausschließlich für B2C-Shops und erfordern konkrete technische sowie rechtliche Anpassungen.
Wir haben uns mit diesen Themen intensiv beschäftigt und fassen zusammen, was du als Shopify-Händler:in beachten solltest. Hinweis: Dieser Artikel gibt unsere Einschätzung aus der Projektpraxis wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.
- Was ändert sich 2026 für B2C-Onlineshops?
- Gewährleistungslabel – was ist das und wer ist betroffen?
- Elektronischer Widerruf per Schaltfläche – was ist Pflicht?
- Umsetzung der Widerrufsfunktion auf Shopify: App-Lösungen im Überblick
- Unsere Empfehlung: Das sollten Shopify-Händler:innen jetzt tun (Checkliste)
1. Was ändert sich 2026 für B2C-Onlineshops?
2026 bringt zwei neue gesetzliche Pflichten, die B2C-Onlineshops in Deutschland und damit auch viele Shopify-Shops direkt betreffen.
Die erste Änderung: Ab dem 19. Juni 2026 muss jeder B2C-Shop eine elektronische Widerrufsfunktion bereitstellen. Verbraucher sollen ihren Widerruf direkt online erklären können, ohne E-Mail schreiben oder lange suchen zu müssen. Die zweite Änderung: Ab dem 27. September 2026 ist ein standardisiertes Gewährleistungslabel auf Produktebene Pflicht und unter bestimmten Bedingungen auch ein Garantielabel.
Beide Regelungen richten sich ausschließlich an B2C-Shops. Für reine B2B-Shops besteht kein Handlungsbedarf.
2. Gewährleistungslabel – was ist das und wer ist betroffen?
Ab dem 27. September 2026 müssen B2C-Onlineshops ein standardisiertes Gewährleistungslabel einbinden. Das Label ist verpflichtend für alle B2C-Shops und muss in deutscher Sprache sowie nach einem vorgegebenen Muster dargestellt werden.
Gewährleistung vs. Haltbarkeitsgarantie – was ist der Unterschied?
Beide Begriffe klingen ähnlich, meinen aber rechtlich unterschiedliche Dinge:
| Gewährleistung | Haltbarkeitsgarantie | |
|---|---|---|
| Grundlage | Gesetzlich verpflichtend | Freiwillig |
| Was wird abgedeckt? | Mängel, die bereits zum Kaufzeitpunkt vorlagen | Auch Mängel, die erst während der Nutzung entstehen |
| Dauer | 2 Jahre | Individuell (z. B. 5 Jahre) |
| Beispiel | Defektes Display beim Kauf | 5 Jahre Garantie auf eine Waschmaschine |
Das Gewährleistungslabel ist für alle B2C-Shops Pflicht. Das Garantielabel ist nur dann einzubinden, wenn der Händler oder Hersteller eine freiwillige Haltbarkeitsgarantie anbietet.
Welche Vorgaben gelten für das Label?
Das Label ist in Form, Farbe und Inhalt weitgehend festgelegt. Die verwendete Schriftart ist Inter, die Farben sind vorgegeben. Inhalte, Proportionen und die Form dürfen grundsätzlich nicht verändert werden.
Eine Ausnahme gilt für das Garantielabel: Dort dürfen Marke oder Hersteller, eine Modellkennung sowie die Garantiedauer individuell eingetragen werden.
Wie und wo muss das Label dargestellt werden?
Eine finale offizielle Klarstellung zur genauen Darstellungspflicht steht noch aus. Die Formulierung der Regelung legt nahe, dass das Label direkt sichtbar sein muss, also nicht hinter einem Accordion oder einer ähnlichen Klappstruktur versteckt werden darf.
Ein möglicher Ansatz für die Praxis: Bei Shops mit Shopify Plus im Checkout sichtbar einbinden, bei Shops ohne Plus alternativ im Warenkorb. Ein offizielles Online-Tool zur Erstellung der Labels wird für das zweite Quartal 2026 erwartet. Spätestens bis zum 27. März 2026 muss die nationale Umsetzung auf Rechtsebene abgeschlossen sein, was möglicherweise weitere Klarheit bringt.
3. Elektronischer Widerruf per Schaltfläche – was ist Pflicht?
Ab dem 19. Juni 2026 müssen B2C-Onlineshops eine elektronische Widerrufsfunktion bereitstellen. Rechtsgrundlage ist § 356a Abs. 1 BGB. Die neue Pflicht ersetzt die bisherige Regelung nicht, sie ergänzt sie.
Was muss die Widerrufsfunktion leisten?
Die Widerrufsfunktion muss ständig verfügbar und leicht zugänglich sein, ohne Login, im Footer des Shops. Sie muss optisch hervorgehoben sein, zum Beispiel durch eine andere Schriftfarbe.
Technisch muss es sich nicht zwingend um einen klassischen Button handeln. Zulässig sind auch ein hervorgehobener Hyperlink oder ein anderes elektronisches Widerrufsformular. Entscheidend ist die Beschriftung: Sie muss „Vertrag widerrufen" lauten oder eine vergleichbar eindeutige Formulierung tragen. „Stornieren" ist nicht ausreichend.
Die Funktion muss es dem Kunden ermöglichen, folgende Angaben zu machen oder zu bestätigen:
- Name des Kunden
- Vertragsangaben (welche Bestellung oder welcher Teil der Bestellung wird widerrufen)
- E-Mail-Adresse für die Eingangsbestätigung
Weitere Felder, etwa für Gründe oder Kommentare, sind nur auf freiwilliger Basis erlaubt.
Wie läuft der Widerrufsprozess für Kunden ab?
Der Ablauf ist klar geregelt und besteht aus vier Schritten:
- Klick auf „Vertrag widerrufen"
- Daten angeben oder bestätigen: Name, Bestellangaben, E-Mail-Adresse (bei Kundenkonten können Daten automatisch übernommen werden)
- Bestätigungsklick: z. B. „Widerruf bestätigen" oder eine gleichbedeutende Formulierung
- Eingangsbestätigung: Der Eingang muss unverzüglich per E-Mail bestätigt werden, mit Inhalt, Datum und Uhrzeit der Erklärung
Wichtig: Die Eingangsbestätigung stellt keine Bestätigung dar, dass im konkreten Fall ein Widerrufsrecht besteht. Das muss intern separat geprüft werden.
Gilt die Pflicht auch bei personalisierten Produkten?
Streng genommen ist die Schaltfläche nur dann Pflicht, wenn das Gesetz für die angebotenen Produkte überhaupt ein Widerrufsrecht vorsieht. Bei ausschließlich personalisierten Produkten wäre das oft nicht der Fall.
In der Praxis ist diese Grenze aber häufig ungenau. Die Empfehlung des Händlerbunds: Die Widerrufsfunktion trotzdem einbauen, um rechtliche Unsicherheiten zu vermeiden.
4. Umsetzung der Widerrufsfunktion auf Shopify: App-Lösungen im Überblick
Für die technische Umsetzung der Widerrufsfunktion gibt es mehrere Optionen. Wir haben die relevantesten Lösungen in der Praxis geprüft.
EU Widerruf Button (kostenlos)
Die App ist kostenlos und deckt die gesetzlichen Anforderungen ab. Ein Block lässt sich in den Footer integrieren, öffnet ein Pop-up mit Formular und speichert Widerrufe in einem Dashboard.
Zwei Punkte sind in der Praxis zu beachten: Der Block fügt sich optisch nicht nahtlos in den Footer ein, da er eine eigene Spalte belegt. Außerdem landen Bestätigungsmails teils im Spam, da sie von einer externen Adresse versendet werden. Als Lösung lässt sich das Formular mittlerweile auf eine eigene Seite legen. Damit ergibt sich ein praktikabler Ansatz: Im Footer einen optisch hervorgehobenen Link setzen, der auf diese Seite verweist.
Zur App im Shopify App Store: https://apps.shopify.com/eu-widerrufsbutton?locale=de
Widerruf Manager (kostenpflichtig)
Der Widerruf Manager ist in zwei Preisplänen verfügbar (ca. 12 USD bzw. 27 USD pro Monat). Die App übernimmt den Stil aus dem jeweiligen Theme und führt den Kunden in drei Schritten durch den Prozess: Überprüfung von Bestellnummer und E-Mail-Adresse, optionale Angabe von Gründen und eine abschließende Zusammenfassung.
Hinweis: Die dritte Stufe mit optionalen Feldern könnte rechtlich als zu umfangreich bewertet werden. Bestätigungsmails kommen im Standard-Plan ebenfalls von einer externen Adresse; im Premium-Plan ist eine eigene Absenderadresse möglich. Ein Dashboard zeigt alle Widerrufe, hat aber keinen direkten Einfluss auf den Bestellstatus in Shopify.
Zur App im Shopify App Store: https://apps.shopify.com/widerruf-manager-de?locale=de
Manuelle Lösungen
Für Shops, die bereits externe Tools im Einsatz haben, lässt sich die Widerrufsfunktion oft darüber abbilden:
| Tool | Machbarkeit | Hinweis |
|---|---|---|
| Shopify Forms | Möglich | Daten direkt in Kundenmetafeld; Bestätigungsmail über Shopify Flow |
| Zendesk | Möglich | HTML-Formular mit API-Anbindung; Bestätigungs-Trigger einrichtbar |
| Gorgias | Möglich | Standalone Contact Form mit Auto-Reply-Regeln |
| Typeform | Möglich | Formular mit E-Mail-Bestätigung konfigurierbar |
| Händlerbund | Nur bei bestehendem Account | HTML-Snippet mit Formularlink; Anfragen landen im Händlerbund-Backend |
Retouren-Apps
Die Retouren-App easyReturns wirbt im App Store bereits aktiv mit einem "EU Withdrawal-Button". Es ist wahrscheinlich, dass hier in den kommenden Wochen andere Tools ebenfalls nachrüsten werden. Wir empfehlen dir, zu prüfen, ob deine Retouren-App eine solche Funktion bereits anbietet oder nachzufragen, ob eine entsprechende Lösung bis zum 19.6.2026 bereitgestellt wird.
5. Unsere Empfehlung: Das sollten Shopify-Händler:innen jetzt tun (Checkliste)
Beide Pflichten erfordern konkrete Anpassungen im Shop. Hier sind unsere Empfehlungen, was du als Shopify-Händler:in als Nächstes tun solltest:
Bis 19. Juni 2026: Widerruf-Schaltfläche einbinden
- Prüfen, ob bereits ein Tool im Einsatz ist, das den Prozess abbilden kann (Zendesk, Gorgias, Typeform o. a.)
- Falls nicht: Kostenlose App EU Widerruf Button installieren und Formular auf eigener Seite einrichten
- Im Footer einen optisch hervorgehobenen Link setzen, Beschriftung „Vertrag widerrufen" oder gleichbedeutend
- Sicherstellen, dass der Link ohne Login erreichbar ist
- Widerrufsbelehrung und Datenschutzregelung rechtlich prüfen und ggf. anpassen lassen
Bis 27. September 2026: Gewährleistungslabel einbinden
- Offizielles Online-Tool zur Label-Erstellung im Blick behalten (erwartet Q2 2026)
- Darstellungsort im Shop festlegen; aktuell gilt: direkt sichtbar, nicht hinter Accordion oder ähnlichem
- Bei Shops mit freiwilliger Haltbarkeitsgarantie: Garantielabel zusätzlich vorbereiten
- Nationale Umsetzung auf Rechtsebene verfolgen (Deadline 27. März 2026) für mögliche Konkretisierungen
Allgemein
- Rechtliche Einschätzung zur konkreten Shop-Situation bei einem spezialisierten Anwalt einholen