Rechnungskauf, Ratenzahlung und SEPA Lastschrift decken gemeinsam laut EHI über 40 Prozent des E-Commerce-Umsatzes in Deutschland ab. Auf Shopify waren diese Zahlungsarten lange kaum verfügbar. Seit Ende 2025 bietet der Payment-Dienstleister Unzer ein modulares Plugin im Shopify App Store an, das Rechnungskauf und Ratenzahlung als White-Label-Lösung im eigenen Shopdesign ermöglicht.

Der Checkout ist bei Shopify Shops einer der wenigen Bereiche, in denen sich mit überschaubarem Aufwand viel Conversion-Potenzial heben lässt. Kaufabbrüche entstehen nicht nur wegen Versandkosten oder langen Lieferzeiten. Fehlende Zahlungsoptionen spielen eine größere Rolle, als viele Händler:innen vermuten.

Wir haben uns im tante-e-Podcast für Shopify Händler mit Christoph von Unzer unterhalten und schauen uns an, welche drei Zahlungsarten Shopify-Händler:innen kennen sollten und wann sie sich wirklich lohnen (zur Folge auf YouTube / Spotify / Apple Podcasts).

Christoph von Unzer
Christoph (Unzer)

Christoph leitet das E-Commerce-Business von Unzer in Europa mit Schwerpunkt auf den Märkten DACH und Nordics. Unzer ist ein von tante-e empfohlener Payment-Dienstleister mit langjähriger Erfahrung im deutschsprachigen Raum, unter anderem als Namensgeber verschiedener Sportstätten und Sponsor von Nationalmannschaften.

  1. Warum der Checkout auf Shopify so oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt
  2. Rechnungskauf: Warum er im DACH-Raum so relevant ist
  3. Ratenzahlung: Flexibilität bei größeren Warenkörben
  4. SEPA Lastschrift: Jetzt auch möglich auf Shopify
  5. Was Händler:innen vor der Entscheidung abwägen sollten
  6. Fazit: Keine Universallösung, aber eine Prüfung wert

1. Warum der Checkout auf Shopify so oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt

Shopify standardisiert vieles, was bei anderen Systemen langwierig konfiguriert werden muss, so auch den Checkout. Wer aber nie in die Checkout-Daten schaut, weiß nicht, wo Kund:innen abbrechen und warum.

Die häufigsten Abbruchgründe im Checkout:

  • Unerwartete Versandkosten
  • Unklare Lieferzeiten oder unbekannte Logistikpartner
  • Fehlende oder falsch sortierte Zahlungsoptionen
  • Zu viele Schritte im Bezahlprozess

Ab einem gewissen Umsatzvolumen ändert sich die Perspektive. Wer monatlich im zweistelligen Millionenbereich umsetzt, merkt schnell, dass selbst ein halber Prozentpunkt mehr Conversion im Checkout einen erheblichen absoluten Betrag bedeutet. Der Checkout wird dann zu einem der wenigen Hebel, an dem sich mit vergleichsweise geringem Aufwand noch echtes Wachstum realisieren lässt.

2. Rechnungskauf: Warum er im DACH-Raum so relevant ist

Rechnungskauf ist nach PayPal die meistgenutzte Zahlungsart im deutschen E-Commerce und macht laut EHI rund ein Viertel des gesamten Umsatzes aus. Auf Shopify war er lange kaum verfügbar. Das hat dazu geführt, dass viele Händler:innen das Thema schlicht nicht auf dem Schirm hatten.

Was Rechnungskauf von anderen Zahlungsarten unterscheidet:

  • Kein Account, kein Login, keine Weiterleitung: Kund:innen bleiben im Checkout
  • Einzige zusätzliche Eingabe ist das Geburtsdatum zur Identifikation
  • Kund:innen gehen nicht in Vorleistung, das stärkt das Vertrauen besonders bei unbekannten Shops
  • Zahlung erfolgt in der Regel innerhalb von 14 bis 30 Tagen nach Erhalt der Ware

Das unterscheidet ihn grundlegend von Klarna oder PayPal, wo Kund:innen entweder einen Account benötigen oder sich einloggen müssen. Jeder zusätzliche Schritt im Checkout erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Abbruchs. Ein:e Shopify-Händler:in aus dem Kosmetikbereich berichtete Christoph von einer Steigerung der Conversion Rate bei Neukund:innen um 7 Prozent, nachdem Rechnungskauf in den Checkout integriert wurde.

Rechnungskauf ist aber nicht für jeden Shop gleich sinnvoll. Entscheidend sind:

Faktor Wann Rechnungskauf sinnvoll ist
Zielgruppe Breite Altersgruppen, besonders weniger digitalaffine Käufer:innen
Warenkorbgröße Funktioniert bei kleinen und großen Warenkörben
Marge Muss Shopify Surcharge und ca. 2% Händlergebühr tragen
Shop-Bekanntheit Besonders wertvoll für weniger bekannte Shops als Vertrauenssignal

3. Ratenzahlung: Flexibilität bei größeren Warenkörben

Ratenzahlung macht vor allem dann Sinn, wenn der Warenkorb eine Größe erreicht, die viele Kund:innen nicht auf einmal bezahlen können oder wollen. Als Richtwert gilt ein durchschnittlicher Warenkorbwert ab etwa 200 bis 250 Euro. Darunter ist der Anteil der Kund:innen, die Ratenzahlung aktiv nutzen, in der Regel gering.

Branchen, in denen Ratenzahlung besonders relevant ist:

  • Home and Garden: Möbel, Betten, Haushaltsgeräte
  • Fashion: hochpreisige Marken und Kollektionen
  • Elektronik und Haushaltsgeräte bei dringendem Bedarf

Aktuell wächst der Anteil von Ratenzahlungen, was auf die angespannte wirtschaftliche Lage zurückzuführen ist. Das ist kein Selbstläufer, aber ein Signal, dass die Nachfrage nach Flexibilität bei der Zahlung steigt.

Was Händler:innen bei der Kalkulation beachten sollten:

Option Was der/die Händler:in trägt Was der/die Kund:in trägt
0% Finanzierung Händler:in übernimmt die Kosten Keine Zinsen
Standardfinanzierung Geringere Händlergebühr Effektivzinssatz, z.B. 4,95%
Hohe Endkundenzinsen Niedrige Händlergebühr Bis zu 18 bis 20% Effektivzinssatz

4. SEPA Lastschrift: Jetzt auch möglich auf Shopify

SEPA Lastschrift war lange eine der verbreitetsten Zahlungsarten im deutschsprachigen Raum, auf Shopify aber praktisch nicht umsetzbar. Wer es dennoch anbieten wollte, war auf komplizierte Workarounds angewiesen, die in der Praxis kaum jemand umgesetzt hat. Mit dem Unzer-Plugin ist SEPA Lastschrift jetzt auch auf Shopify wieder möglich.

Was SEPA Lastschrift für Kund:innen attraktiv macht:

  • Keine manuelle Überweisung nach dem Kauf
  • Kund:innen geben im Checkout ihre IBAN an, der Betrag wird automatisch eingezogen
  • Kein Account, kein Login, keine Weiterleitung notwendig

Der Grund, warum viele Händler:innen SEPA Lastschrift ohne Absicherung meiden:

  • Mangelnde Kontodeckung zum Zeitpunkt des Einzugs
  • Hohe Fraud-Anfälligkeit bei ungesicherter Lastschrift
  • Rückbuchungsrisiko innerhalb von sechs Wochen

Unzer löst das durch Bonitätsprüfung, Identitätsprüfung und ein Risk-Scoring-System, das vor der Auftragsbestätigung läuft. Der/die Händler:in bekommt sein/ihr Geld ausgezahlt, bevor die Zahlung der Kund:innen überhaupt fällig ist. Das Risiko bei Zahlungsausfall oder Fraud trägt Unzer.

SEPA Lastschrift eignet sich besonders für:

  • Wiederkehrende Käufer:innen mit bekannter Zahlungshistorie
  • Zielgruppen, die weder Kreditkarte noch PayPal oder Klarna nutzen
  • Shops, die ihre Zahlungsabdeckung im DACH-Raum maximieren wollen

5. Was Händler:innen vor der Entscheidung abwägen sollten

Nicht jede Zahlungsart passt zu jedem Shop. Bevor Händler:innen ihren Payment-Mix erweitern, lohnt sich eine ehrliche Einschätzung der eigenen Situation. Der Einstieg mit dem Unzer-Plugin ist niedrigschwellig, läuft ohne Knebelverträge und lässt sich jederzeit wieder deaktivieren. Trotzdem gibt es Faktoren, die vorher geklärt sein sollten.

Die wichtigsten Fragen vor der Entscheidung:

Frage Worauf es ankommt
Passt die Zahlungsart zur Zielgruppe? Rechnungskauf funktioniert generationsübergreifend, besonders bei weniger digitalaffinen Käufer:innen
Ist der Warenkorb groß genug? Ratenzahlung lohnt sich ab ca. 200 bis 250 Euro AOV
Reicht die Marge? Shopify Surcharge plus ca. 2% Händlergebühr plus 30 Cent Transaktionsgebühr einkalkulieren
Gibt es Hinweise auf payment-bedingte Abbrüche? Checkout-Daten analysieren, bevor investiert wird

Was die Shopify Surcharges konkret bedeuten:

Shopify-Plan Surcharge für Drittanbieter
Basic 2,0%
Grow 1,0%
Advanced 0,6%
Plus 0,2%

Für kleinere Shops mit niedrigen Margen kann die Kombination aus Surcharge und Händlergebühr die Rechnung kippen. Für größere Shops mit entsprechendem Volumen relativieren sich die Kosten, und der Hebel durch mehr Conversion überwiegt.

6. Fazit: Keine Universallösung, aber eine Prüfung wert

Rechnungskauf, Ratenzahlung und SEPA Lastschrift sind keine Universallösung für jeden Shopify-Shop. Sie sind aber Zahlungsarten, die im DACH-Raum tief in der Kaufgewohnheit verankert sind und die viele Händler:innen bisher schlicht nicht anbieten konnten. Das hat sich geändert.

Wer davon profitiert:

  • Shops mit breiter Zielgruppe im DACH-Raum
  • Händler:innen mit höherpreisigen Produkten und entsprechendem AOV
  • Brands, die weniger bekannt sind und Vertrauen im Checkout aufbauen wollen
  • Shops, deren Checkout-Daten auf payment-bedingte Abbrüche hinweisen

Wer es sich zweimal überlegen sollte:

  • Shops mit sehr niedrigen Margen, bei denen Surcharge und Händlergebühr die Rechnung nicht aufgehen lassen
  • Händler:innen mit Produkten oder Zielgruppen, bei denen die Akzeptanzrate erfahrungsgemäß niedrig ist

Der Einstieg ist mit wenig Aufwand möglich. Das Unzer-Plugin lässt sich laut Christoph in unter 30 Minuten in Betrieb nehmen, ohne Agentur und ohne technischen Aufwand. Wer unsicher ist, ob es zum eigenen Shop passt, kann es ausprobieren und bei Bedarf wieder deaktivieren. Das Risiko ist überschaubar, das Potenzial jedoch je nach Shop erheblich.

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