Shopify POS will zwei Bereiche miteinander verknüpfen und auch versöhnen, die sich vermeintlich gegenüberstehen: E-Commerce und stationärer Handel. Während Shopify POS in den USA bereits seit einiger Zeit läuft, ist es nun endlich auch in Deutschland angekommen, worauf viele Händler*innen gewartet haben.

P&T (Paper & Tea) gehört zu den ersten Shops, die neben dem Onlineshop nun auch in den eröffneten stationären Läden Shopify POS nutzen. Daher haben wir mit Stefan Matte, dem Geschäftsführer von P&T, über seine Erfahrungen mit Shopify POS gesprochen und einen wertvollen Erfahrungsbericht über alle wichtigen Fragen rund um Shopify POS erhalten: Was genau kann Shopify POS? Was braucht man, um es nutzen zu können? Aber auch, was die aktuellen Hindernisse sind und inwiefern Shopify POS noch ausbaufähig ist. Das Gespräch als Podcast-Folge findest Du auf Merchant Inspiration.

Wer ist P&T?

Während alle Welt nur Kaffee zu trinken scheint und Coffee-Shops internationaler Ketten aus Innenstädten nicht mehr wegzudenken sind, verschreibt sich P&T der Pflege einer modernen Teekultur - und das mit großem Erfolg. Das im Jahre 2011 in Berlin gegründete Unternehmen hat einen mehrsprachigen Onlineshop, in dem ein recht breites Sortiment an hochwertigen und teilweise seltenen Teesorten aus aller Welt, Equipment für die Zubereitung von Tee und Accessoires angeboten werden. Nachdem P&T den Onlineshop zunächst auf Magento betrieb, migrierte der Shop dann zu Shopify; u.a. auch deshalb, um das Onlinegeschäft mit dem stationären Geschäft einheitlicher und einfacher verknüpfen zu können. 

Denn mittlerweile betreibt P&T auch fünf Stores: drei in Berlin (u.a. im KaDeWe) und jeweils einen Store in Hamburg und Köln. Drei der Fünf Stores verfügen auch über Tea Bars für anspruchsvollen und entspannten Teegenuss vor Ort (im KaDeWe in Berlin, Hamburg und Köln). Darüber hinaus ist P&T auch im B2B-Business tätig und verkauft seinen Tee beispielsweise auch an Hotels und Restaurants.

Was ist Shopify POS? 

Shopify POS (Point of Sale) ist ein Kassensystem, das die Möglichkeit bietet, Deinen Onlineshop mit Deinem stationären Geschäft (Laden, Pop-Up-Store, Showroom) zu verknüpfen und gemeinsam zentral zu managen. Sämtliche Prozesse wie Verkauf und Verwaltung von Bestellungen und Produkten sowohl in Deinem Onlineshop als auch in Deinem stationären Geschäft werden über Shopify verwaltet. Auf diese Weise kannst Du also nicht nur online, sondern auch gleichzeitig offline verkaufen. Dafür musst Du auf Shopify Deinen stationären Store als Vertriebskanal hinzufügen. 

Für wen ist es interessant?

Anders, als man es vielleicht auf den ersten Blick vermuten würde, ist Shopify nicht nur Händler*innen interessant, die neben einem Onlineshop auch einen festen stationären Store betreiben wollen. Auch für Pop-Up-Stores oder für den Verkauf auf Festivals oder Messen, also für temporären stationären Verkauf, ist Shopify POS gut geeignet; im Grunde für alle Fälle, in denen offline verkauft wird. 

Was sind Alternativen zum Shopify POS?

Eine Alternative ist der mittlerweile zu PayPal gehörende schwedische Anbieter iZettle, was mithilfe eines Kartenlesegerätes, das per Bluetooth oder Audiobuchse mit dem Smartphone verbunden wird, EC- und Kreditkartenzahlungen ermöglicht; auch kontaktlos per NFC. Auch der britische Anbieter SumUp ermöglicht auf diese Weise Zahlungen jeglicher Art mithilfe eines Kartenterminals. 

P&T nutzte früher den Ableger des von ihnen genutzten ERP-Systems, das auch ein Kassen-Addon besaß. Jedoch lief das System nicht immer einwandfrei, da es immer wieder zu einem Bruch zwischen dem Addon des ERP-Systems und dem Onlineshop kam. Unter anderem war es problematisch, dass es für das Online- und das stationäre Geschäft jeweils verschiedene Geschenkkarten gab, weil die Online-Geschenkkarte nicht im Store eingelöst werden konnte und umgekehrt, was zu Unzufriedenheit bei Kund*innen führte. Auch das Management von Kundendaten oder die Bestellhistorie konnten nicht zentral verwaltet werden, was auch für das eigene Shopmanagement unvorteilhaft war. Denn wenn man zwei verschiedene Systeme nutzt, müssen beide auch dementsprechend separat gemanagt werden.

Was sind die Vorteile von Shopify POS?

Und damit wären wir bei einem sehr wichtigen Vorteil von Shopify POS: die einheitliche und zentrale Verwaltung des Online- und stationären Geschäfts. Wie bereits erwähnt, werden beide Geschäfte zentral auf Shopify verwaltet. Es ist also ein System für alles. 

Und das Beste ist, dass Du mithilfe der Shopify POS App das alles auch per Smartphone und Tablet managen kannst und daher ortsunabhängig bist; sie funktioniert sowohl auf IOS- als auch auf Android-Geräten. Auch kannst Du Deinen Mitarbeiter*innen PINs zuweisen, damit sie es auch nutzen können. Shopify POS ist in allen Shopify-Plänen enthalten. 

Mit Shopify POS Pro kannst Du sogar Deinen Kund*innen die Möglichkeit bieten, Deine Produkte im Onlineshop zu bestellen und im Geschäft abzuholen oder sie im Geschäft zu bestellen und sich nach Hause liefern zu lassen. Auch hast Du beispielsweise die Möglichkeit, den Mitarbeiter*innen im Store unterschiedliche Berechtigungen zuzuteilen, was aktuell jedoch nicht sehr optimal ist, aber mehr dazu später.

Was braucht man zum Start?

Am Anfang muss man den stationären Store als Vertriebskanal Verkaufsstelle im Shopify-Adminbereich hinzufügen und die Shopify-POS-App auf den Geräten, die vor Ort zum Einsatz kommen, beispielsweise ein Tablet oder natürlich auch ein Smartphone, runterladen. Eine Halterung für das Tablet würde die Arbeit der Kassierer*innen erleichtern. Die App ist sowohl im Apple App Store, als auch im Google Play Store erhältlich. Jeder Standort ist ein Vertriebskanal, falls Du also mehrere stationäre Stores hast, hättest Du für jeden Standort einen Vertriebskanal.Anschließend kannst Du entscheiden, welche Produkte Du auf dem Vertriebskanal anbieten möchtest, wie dies bei Instagram- und Facebook-Shops der Fall ist, und somit die Produkte synchronisieren. 

Darüber hinaus benötigst Du, auch wegen der allgemein gültigen Bonpflicht, einen Belegdrucker. P&T hat zwar zunächst auf einen Barcode-Scanner verzichtet und stattdessen kamen die Tablets für das Scannen von Barcodes der Produkte zum Einsatz, allerdings sind die Erfahrungen nicht besonders gut, weil Tablets da wohl schwerfällig sind und auch das Handling für die Kassierer*innen komplizierter ist, sodass nun auch Barcode-Scanner angeschafft werden, was empfohlen wird.

Für Zahlungen per EC- oder Kreditkarte wird außerdem noch ein Kartenlesegerät (z.B. SumUp oder iZettle) benötigt, da das hauseigene Kartenlesegerät, Shopify Retail Kit, in Deutschland noch nicht verfügbar ist. 

Falls Du Barzahlungen anbieten möchtest, benötigst Du natürlich auch eine Barkasse; allerdings sind Barzahlungen seit Corona auf dem Rückzug und einige kleine Geschäfte akzeptieren keine Bargeldzahlung mehr. Ob Du sie anbieten willst, hängt natürlich auch von Deiner Zielgruppe ab.

Checkliste

  • Tablet mit der Shopify-POS-App, idealerweise mit Halterung (Smartphone ginge auch)
  • Belegdrucker (wegen der Bonpflicht)
  • Barcode-Scanner (für leichteres Handling)
  • Kartenlesegerät, z.B SumUp oder iZettle (für Kartenzahlungen)
  • Barkasse (falls Du Bargeldzahlungen akzeptierst)

Was läuft noch nicht so gut? 

Und genau die Tatsache, dass Shopify in Deutschland die hauseigenen Kartenlesegeräte noch nicht anbietet, stellt ein Hindernis dar, sodass ein Minuspunkt von Shopify POS die EC- und Kreditkartenzahlungen betrifft: Händler*innen  müssen auf Kartenlesegeräte anderer Anbieter ausweichen. P&T nutzt hierfür die Kartenlesegeräte von iZettle. Aber dadurch, dass es sich um ein Kartenlesegerät eines externen Anbieters handelt, ist der Bezahlvorgang zumindest auf Shopseite für Kassierer*innen komplizierter: Die Bestellungen werden auf Shopify POS angelegt, aber eine Synchronisation mit dem Kartenlesegerät findet nicht statt, sodass sich die Kassierer*innen den Betrag merken und manuell auf dem Tablet in der Shopify POS-App eingeben müssen. Allerdings hat Shopify in dieser Hinsicht auch für Deutschland Besserung angekündigt. 

Ein Problem stellen momentan auch Umtäusche im stationären Store dar: Da die Einkäufe dort "anonym" und ohne Kundenprofil getätigt werden (können), muss dann manuell in Bestellhistorie nach dem entsprechenden Kauf (bzw. der "Bestellung") gesucht werden, der nun umgetauscht werden soll. Das ist nicht nur kompliziert, sondern auch unter Umständen zeitintensiv.

Bei Shopify POS Pro ist außerdem, wie bereits erwähnt, die Zuteilung von Mitarbeiterrechten noch nicht optimal, da es aktuell zu einfach gestaltet ist. Es kann also sein, dass auch Mitarbeiter*innen die Befugnis haben könnten, Retouren bzw. Umtäusche anzunehmen, obwohl sie eigentlich nicht dazu berechtigt wären. Gerade bei einer größeren Zahl an Mitarbeiter*innen würde es daher Sinn machen, das sich Management und Zuweisung der Befugnisse vorher anzuschauen.

Wie teuer ist Shopify POS?

Shopify POS kann kostenlos in allen Shopify-Plänen genutzt werden. 

Shopify POS Pro kostet zusätzlich zu Deinem Shopify-Plan 89$ pro Monat und Standort, in Shopify Plus ist es bereits enthalten. Bis zum 31. Oktober 2020 ist Shopify POS Pro jedoch für alle kostenlos.

Fazit

Falls Du darüber nachdenkst, neben Deinem Onlineshop noch ein stationäres Geschäft aufzubauen, und sei es nur temporär, hast Du mit Shopify POS eine gute Möglichkeit, beides zu verknüpfen und zentral zu managen. Zwar gibt es durchaus einige Dinge, die momentan nicht optimal laufen, aber ob die Vor- oder Nachteile überwiegen, musst Du natürlich entscheiden.

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Wir von Tante-E sind eine der führenden Shopify-Experten-Agenturen in Deutschland mit Standorten in Berlin und Köln. Wir betreiben nicht nur eigene Onlineshops auf Shopify, sondern haben auch zahlreiche Projekte wie Shop-Setups oder Shop-Optimierungen realisiert. Insofern verfügen wir über eine hohe Expertise im Bereich E-Commerce im Allgemeinen und Shopify im Besonderen. Falls Du Fragen haben solltest oder Hilfe benötigst, würden wir uns sehr freuen, wenn Du Dich diesbezüglich mit uns in Verbindung setzen würdest. Melde Dich einfach bei uns, wir freuen uns sehr, Dir helfen zu dürfen.

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