Ab dem 27. September 2026 muss jeder B2C-Shop in der EU ein einheitliches Gewährleistungslabel zeigen. Es informiert Kund:innen darüber, dass ihnen bei Mängeln zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung zustehen. Zusätzlich wird das GARAN-Label Pflicht, sobald der Hersteller eine kostenlose Garantie von mehr als zwei Jahren auf das gesamte Produkt gewährt. Eine verschachtelte Darstellung ist erlaubt: Ein Link oder kurzer Hinweis genügt, solange das vollständige Label bei Klick oder Mouse-Over erscheint.
Die Pflicht trifft alle, die Waren an Verbraucher:innen verkaufen, unabhängig von Sortiment und Shopgröße. Für Shopify-Händler:innen ist deshalb vor allem entscheidend, wo die Labels sichtbar werden und wie sie sauber in Theme, Bestellbestätigung und Sprachversionen kommen. Wir haben den EU-Praxisleitfaden vom April 2026 mit der Umsetzung in Shopify abgeglichen.
Hinweis: Dieser Artikel gibt unsere Einschätzung aus der Projektpraxis wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.
- Was das Gewährleistungslabel ist und ab wann es gilt
- Gewährleistungslabel oder GARAN-Label: was wann Pflicht ist
- Wo die Labels platziert werden dürfen
- Gewährleistungslabel in Shopify einbinden
- GARAN-Label auf der Produktseite einbinden
- Labels dauerhaft mitliefern: Bestellbestätigung und Paket
- Mehrsprachige Shops: Labels je Storefront-Sprache
- Checkliste: Das solltest du bis zum 27.09.2026 erledigen
- Unsere Einschätzung: Was in Shopify noch fehlt
1. Was das Gewährleistungslabel ist und ab wann es gilt
Das Gewährleistungslabel ist ein einheitlicher EU-Hinweis, der Kund:innen darüber informiert, dass ihnen bei Mängeln zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung zustehen. Ab dem 27. September 2026 muss es jeder Shop zeigen, der in der EU Waren an Verbraucher:innen verkauft. Form und Inhalt sind vorgegeben, das Label wird unverändert übernommen.
Wer betroffen ist und wer ausgenommen ist
Ausgenommen sind:
- reine B2B-Verkäufer:innen
- rein digitale Inhalte und Dienstleistungen ohne Warenbezug
Nicht ausgenommen sind:
- verderbliche Ware
- verbrauchbare Ware
- gebrauchte Ware
Bei Gebrauchtware kann die Gewährleistungsfrist kürzer ausfallen. Das Label muss trotzdem unverändert gezeigt werden.
Offizielle Label-Downloads und Quellen
Die Kommission stellt alle Dateien kostenlos bereit:
- Gewährleistungslabel, 24 EU-Sprachen, Farbe und Schwarz-Weiß (ZIP)
- GARAN-Label-Vorlage, Farbe, Schwarz-Weiß und Nested für E-Commerce (ZIP)
- Praktischer EU-Leitfaden, April 2026, inklusive Screenshots zur Platzierung (PDF)
Die GARAN-Vorlage wird individuell befüllt, mit Hersteller, Modell und Dauer. Ein Onlinetool der EU dafür ist angekündigt.
2. Gewährleistungslabel oder GARAN-Label: was wann Pflicht ist
Das Gewährleistungslabel ist für alle B2C-Händler:innen verpflichtend, eine Wahlmöglichkeit gibt es nicht. Das GARAN-Label kommt nur unter bestimmten Bedingungen dazu und darf ohne diese Bedingungen auch nicht verwendet werden.
Wann das GARAN-Label zusätzlich Pflicht wird
Das GARAN-Label wird Pflicht, sobald alle vier Punkte zutreffen:
- Die Garantie stammt vom Hersteller, nicht vom Händler.
- Sie ist kostenlos.
- Sie gilt für das gesamte Produkt, nicht nur für einzelne Teile.
- Sie läuft länger als zwei Jahre. Genau 24 Monate reichen nicht.
Ein Beispiel: fünf Jahre kostenlose Herstellergarantie auf eine komplette Waschmaschine. Trifft einer der Punkte nicht zu, etwa weil die Garantie kostenpflichtig ist oder nur einzelne Bauteile abdeckt, darf das GARAN-Label nicht eingesetzt werden.
Gewährleistung und Garantie im Vergleich
Beide Begriffe klingen ähnlich, meinen aber rechtlich unterschiedliche Dinge:
| Gewährleistung | Haltbarkeitsgarantie | |
|---|---|---|
| Grundlage | Gesetzlich verpflichtend | Freiwillig |
| Was wird abgedeckt? | Mängel, die bereits zum Kaufzeitpunkt vorlagen | Auch Mängel, die erst während der Nutzung entstehen |
| Dauer | 2 Jahre | Individuell, zum Beispiel 5 Jahre |
| Beispiel | Defektes Display beim Kauf | 5 Jahre Garantie auf eine Waschmaschine |
3. Wo die Labels platziert werden dürfen
Beide Labels müssen nicht dauerhaft ausgeschrieben auf der Seite stehen. Der EU-Praxisleitfaden erlaubt ausdrücklich eine verschachtelte Darstellung.
Verschachtelte Darstellung: Link oder Hinweis statt Dauer-Anzeige
Ein kurzer Satz oder Link genügt, zum Beispiel „Deine gesetzlichen Gewährleistungsrechte". Entscheidend ist, dass sich das vollständige Label per Klick oder Mouse-Over öffnet. Für das GARAN-Label gilt dasselbe Prinzip als sogenanntes Nested Label: Es darf zunächst reduziert erscheinen, muss aber bei Klick, Mouseover oder Antippen vollständig sichtbar werden.
Zulässige Platzierungen laut EU-Praxisleitfaden
| Label | Beispiele für die Platzierung |
|---|---|
| Gewährleistungslabel | Produktseite, Kategorieseite, Header, Checkout |
| GARAN-Label | Produktseite: als Teil eines Produktbildes, als eigenständiges Bild in der Produktgalerie oder in der Produktbeschreibung |
Der Leitfaden weist darauf hin, dass diese Beispiele keine abschließende Liste sind. Andere Platzierungen sind möglich, solange das vollständige Label erreichbar bleibt.
4. Gewährleistungslabel in Shopify einbinden
In Shopify lässt sich das Gewährleistungslabel über einen Menüpunkt einbinden, der auf eine eigene Seite mit dem vollständigen Label verweist. Damit ist die verschachtelte Darstellung erfüllt, ohne dass das Label dauerhaft im Layout steht.
Umsetzung über Announcement Bar oder Footer-Menü
Der Weg besteht aus drei Schritten:
- Eine Seite anlegen und mit dem farbigen Gewährleistungslabel in der Sprache der jeweiligen Storefront befüllen.
- Einen Menüpunkt mit dem Text „Gewährleistungsrechte" anlegen und auf diese Seite verlinken.
- Den Menüpunkt in der Announcement Bar oder im Footer-Menü ausspielen.
Beides funktioniert nativ, ohne zusätzliche App.
Warum der Checkout aktuell ausfällt
Der EU-Praxisleitfaden nennt den Checkout ausdrücklich als mögliche Platzierung. In Shopify ist eine Einbindung dort aktuell nicht sinnvoll möglich. Wir setzen deshalb auf Header, Footer oder Produktseite, alle drei sind nach dem Leitfaden zulässig.
5. GARAN-Label auf der Produktseite einbinden
Das GARAN-Label gehört auf die Produktseite. In Shopify gibt es dafür zwei native Wege: als eigenständiges Bild oder als Nested Label hinter einem klickbaren Link.
Als Bild in der Produktgalerie oder auf dem Produktbild
Die Einbindung als eigenständiges Bild in der Produktgalerie funktioniert nativ, ohne Anpassung am Theme. Alternativ lässt sich das Label direkt in ein Produktbild einbetten oder in der Produktbeschreibung platzieren.
Als Nested Label über den Pop-up-Block
Je nach Theme stehen auf den Produkt-Templates im Abschnitt „Produktinformationen" unterschiedliche Blocks bereit. Der Pop-up-Block im Dawn-Theme zeigt auf der Produktseite einen klickbaren Link, der beim Anklicken ein Overlay mit dem Inhalt einer hinterlegten Seite öffnet. Der Link-Text ist frei benennbar, und als Inhalt lässt sich jede beliebige Shopify-Seite verknüpfen, zum Beispiel ein produktspezifisches GARAN-Label über eine Metafeld-Verknüpfung.
Produktspezifisch statt global
Das GARAN-Label muss je Artikel individuell befüllt sein, mit Hersteller, Modell und Garantiedauer. Ein globales Label für den gesamten Shop erfüllt die Anforderung nicht.
6. Labels dauerhaft mitliefern: Bestellbestätigung und Paket
Ein Link im Shop reicht bei der Lieferung nicht aus. Beide Labels müssen als echter Inhalt, also als Bild oder PDF, auf einem dauerhaften Datenträger mitgeliefert werden, per E-Mail oder als Ausdruck im Paket.
Grenzen der nativen Shopify-Bestellbestätigung
Shopify erlaubt keinen Dateianhang an der nativen Bestellbestätigungs-Mail, auch nicht mit Plus. Wer ein PDF anhängen möchte, braucht dafür immer eine zusätzliche, separate E-Mail. Das Label als Bild einzubinden funktioniert dagegen nativ über die Code-Bearbeitung der E-Mail-Vorlage, und zwar sprachspezifisch.
Zwei praktikable Wege
- Bild in der Bestellbestätigung: Label je Storefront-Sprache über die Code-Bearbeitung in die Vorlage einbinden. Kein zusätzlicher Versand, keine App.
- Ausdruck im Paket: Label ausdrucken und der Sendung beilegen. Unabhängig von E-Mail-Zustellbarkeit und Spamfiltern.
7. Mehrsprachige Shops: Labels je Storefront-Sprache
Das Label muss in der Sprache des jeweiligen Storefronts erscheinen. Eine einzige Sprachversion für alle Shopsprachen erfüllt die Anforderung nicht.
Was das für die Umsetzung bedeutet
Für jede Sprache wird die passende Datei aus dem offiziellen Paket mit 24 EU-Sprachen hinterlegt. Das betrifft alle Ausspielorte:
- die verlinkte Seite mit dem Gewährleistungslabel
- das GARAN-Label auf der Produktseite
- das Label in der Bestellbestätigung
Wer international über mehrere Storefronts verkauft, plant diesen Schritt am besten früh ein, weil er sich durch alle drei Punkte zieht.
8. Checkliste: Das solltest du bis zum 27.09.2026 erledigen
Die Umsetzung lässt sich in drei Blöcke teilen: prüfen, einbinden, organisatorisch absichern.
Zuerst prüfen
- Verkaufst du ausschließlich B2B? Dann bist du ausgenommen. In allen anderen Fällen ist das Gewährleistungslabel Pflicht.
- Gibt es eine kostenlose Herstellergarantie auf ganze Produkte über mehr als zwei Jahre? Dann kommt das GARAN-Label zusätzlich dazu.
Im Shop einbinden
- Gewährleistungslabel je Storefront-Sprache einbinden, als Link oder Hinweis auf Produktseite, Header oder Footer, der bei Klick oder Hover vollständig sichtbar wird.
- Falls das GARAN-Label Pflicht ist: individuell befüllen und produktspezifisch als Nested Label zeigen.
- Labels sprachspezifisch als Bild in die Bestellbestätigung einbinden oder ausgedruckt ins Paket legen.
- Bei mehreren Sprachen die passende Sprachversion je Storefront hinterlegen.
Organisatorisch absichern
- Kundenservice und Vertrieb briefen. Mit prominenteren Labels ist mit mehr Rückfragen zu rechnen, vor allem zum Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie. Beide Teams sollten einheitliche Antworten parat haben.
- Frist zum 27.09.2026 und die Nachweis-Dokumentation im Blick behalten.
9. Unsere Einschätzung: Was in Shopify noch fehlt
Die technische Grundlage für eine native Lösung ist in Shopify bereits vorhanden. Sie ist bisher nur nicht auf das Gewährleistungslabel übertragen.
Was eine native Lösung ändern würde
Für Pflicht-Rechtstexte wie AGB und Widerrufsbelehrung gibt es im Checkout bereits funktionierende Lösungen: Sie sind verlinkt, per Pop-up aufrufbar und werden zusätzlich als PDF an die Bestellbestätigung angehängt. Würde Shopify das Gewährleistungslabel genauso abbilden, wären die Platzierung im Checkout und der dauerhafte Datenträger in einem Schritt gelöst. Solange das nicht der Fall ist, führen die in diesem Artikel beschriebenen Wege zuverlässig ans Ziel.
Die zweite Pflicht in 2026
Das Gewährleistungslabel ist nicht die einzige Neuerung: Ab dem 19. Juni 2026 muss jeder B2C-Shop zusätzlich eine elektronische Widerrufsfunktion bereitstellen. Was dabei zu beachten ist und welche Lösungen für Shopify infrage kommen, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst: Widerruf-Button ab 2026: Was Shopify-Shops jetzt rechtlich umsetzen müssen.